Wolfgang Voigt

Natur in Alsdorf – ein naturkundlicher Spaziergang

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Teil 2: Das Broichbachtal

 

Das Broichbachtal: Vom Euchener Bend bis zur Römerbrücke

Der Broichbach (auch gelegentlich nicht ganz korrekt „Broicher Bach“ genannt) fließt mit seinem größeren Mittelstück durch Alsdorfer Stadtgebiet, er ist der Alsdorfer Bach schlechthin. Er kommt aus Würselen, wo sein Quellgebiet im Stadtteil Linden-Neusen liegt, und mündet schließlich in Herzogenrath in die Wurm. Der Broichbach ist einer der letzten natürlichen Bäche im Aachener Raum gewesen. In den 70er Jahren hat er dann so manche Begradigung durch den Wasserverband hinnehmen müssen, was zwar zu einem schnellen Abfließen von Hochwasser im Oberlauf, aber auch zu den bekannten Überschwemmungen im Geilenkirchener Raum (Wurmtal) geführt hat. Trotz dieser Eingriffe sind aber gerade im Alsdorfer Teilbereich noch Reststücke von Au- und Bruchwäldern erhalten.

Im folgenden sollen die einzelnen Abschnitte kurz charakterisiert werden:

In Höhe der ehemaligen Kläranlage Broich (heute Regenklärwerk), wo dann auch der Siefenbach einmündet, fließt der Broichbach auf Alsdorfer Gebiet.

Hier hat der Alsdorfer Naturschützer Helmut Meurer bereits 1985 ein Konzept vorgelegt, wie man den Broichbach vor der Kläranlage abzweigen und über ein Feuchtwiesenstück wieder in sein altes, noch gut erkennbares Bett leiten könnte. Der Kreis Aachen realisiert diesen Antrag im Winter 1996/97. Zunächst einmal werden 650 Meter renaturiert. Dabei wird ein Gelände mit einbezogen, daß 1984 von der „Gruppe Broichbachtal“, der Naturschutzgruppe des Alsdorfer Gymnasiums, mit Laichgewässern überplant worden ist. (Hierfür hat sie übrigens den 1. Preis eines bundesweit ausgeschriebenen Umweltpreises erhalten!)

Die Renaturierung überzeugt vor allem durch die Schaffung von Überschwemmungsbereichen, Mäandern, Steilwänden und Steinpackungen. Eine standorttypische Bepflanzung ergänzt die Maßnahme. Eine weitere Aufwertung der Landschaft wird durch das Einbringen u.a. folgender Gehölze erreicht: Hainbuche, Winterlinde, Wildkirsche, Feldahorn, Eberesche, Faulbaum, Schneeball, Hartriegel, Hasel, Weißdorn, Hundsrose und Schlehe. Es ergibt sich die Gesamtbilanz von 40 Hochstämmen, 814 Heistern und 2.750 Sträucher.

Immerhin bewegt man bei der Renaturierungsmaßnahme 11.000 m3 Boden. Am 12. März 1997, kurz nach 15 Uhr, wird schließlich der Broichbach in sein neues, teilweise altes Bett geleitet. Für die Region ein historisches Ereignis.

Somit ist der Bach wieder in einen Zustand gebracht, wie er früher einmal gewesen sein mag. Bei Peter Schiffer (1908) lesen wir hierzu: „Der Bach schlängelt sich murmelnd unter Erlen- und Weidengebüschen an sumpfigen Bruchwiesen vorüber und ergießt sich nach kurzem Lauf, verstärkt durch ein Nebenbächlein, das von der östlichen Höhe zu Tal fließt, in einen großen Teich, den Broicher Weiher.“ Heute fließt er allerdings am Weiher vorbei.

Bis hinunter in den Bereich der sogenannten „Ruhezone“ in der Nähe des Alsdorfer Weihers wird der Bach von einem zum Teil guterhaltenen Bruchwald, in Teilstrecken auch von Hartholzauwald begleitet, der meist als Eichen-Hainbuchenwald ausgeprägt ist. Leider ist der Bach selbst teilweise in ein Betonbett gezwängt. Dies ist hauptsächlich anfangs der 70er Jahre durch den im März 1963 unter Vorsitz des damaligen Alsdorfer Stadtdirektors Dr. Helmut Eckert gegründeten Broichbachverbandes geschehen. BUND und NABU bemühen sich seit den 80er Jahren um eine Renaturierung des Baches. Der Naturschutzbund hat zudem das Gelände zwischen den Mariadorfer Angelteichen und dem Alten Bahndamm mit Mitteln der „Nordrhein-Westfalen-Stiftung“ und vom „Naturschutz-Programm Aachener Revier“ aufgekauft, um es für den Naturschutz zu sichern. Hierdurch hat man einerseits das Angelverbot am Broicher Weiher durchsetzen können, zum anderen ist das Gebiet zwischen Weiher und Bahndamm gesichert worden, in dem der zuständige Wasserverband ein Rückhaltebecken aus Beton geplant hat.

Im oberen Teil des Abschnittes zwischen Alter Kläranlage und Bahndamm findet man ausgedehnte Bestände mit zarten Exemplaren des Bitteren Schaumkrautes, an dessen Blättern die Raupen des Aurorafalters lieber fressen als an denen des Wiesen-Schaumkrauts, das hier ebenfalls vorkommt. Außerdem gibt es in der durch Schwarz-Erlen und Korb-Weiden geprägten Weichholz-Aue unter anderen Echte Nelkenwurz (Geum urbanum), Hopfen (Humulus lupulus), Wald-Heckenkirsche (Lonicera periclymenum), Echtes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), die Knotige Braunwurz (Scrophularia nodosa) sowie zwei Holunderarten (Sambucus nigra, S. racemosa). An den Hängen, im Bereich der Hartholzaue kommt vereinzelt eine einheimische Orchideenart vor. Es handelt sich dabei um die Breitblättrige Sumpfwurz (Epipactis helleborine). Häufig ist hier dagegen der Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia), der uns auf Sandboden entlang des Hangweges begleitet, wo stellenweise auch die Besenheide (Calluna vulgaris) und der Besenginster (Sarothamnus scoparius) wachsen. Ein eher unscheinbarer Vertreter, weil grünblühend, ist das Moschuskraut, das allerdings bei geübtem Blick schnell gefunden ist, weil es truppweise vorkommt. Bei näherer Betrachtung zeigt es mit dem würfelförmigen Blütenstand seine ganze Schönheit. Es ist vergesellschaftet mit dem Scharbockskraut, das als Kosmopolit weltweit verbreitet ist und wegen des Vitamin C - Gehaltes seiner Blätter früher von Seeleuten auf Inseln gesammelt worden ist, um der gefährlichen Mangelkrankheit Skorbut (Name!) vorzubeugen. Unbedenklich ist der Genuss der Blätter aber nur im zeitigen Frühjahr, vor der Blüte. Als typischer Frühblüher und als weite Flächen überziehende Polsterpflanze beherrscht  Ranunculus ficaria (so ihr wissenschaftlicher Name) mit ihren gelben Blütensternen den Frühlingsaspekt des Broichbachtales. Oft bis in den Juni hinein blüht dagegen die Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris), die hier und an anderen Stellen des Tales in guten Beständen vorkommt. Mehr zum Sommer hin schließt sich eine weitere gelb blühende Pflanze an, das Echte Springkraut, das hier in Massen auftritt. Der deutsche wie der lateinische Name (Impatiens noli-tangere) beziehen sich auf eine Eigenart dieses Balsaminengewächses: Wird die reife Frucht berührt oder sonst wie erschüttert, etwa durch Wind, so trennen sich die unter Spannung stehenden Fruchtblätter, rollen sich blitzartig ein und schleudern dabei die auf ihrer Innenseite sitzenden Samenkörner mehrere Meter weit in die Umgebung. Dies ist wohl auch der Grund dafür daß das „Rühr-mich-nicht-an“ dicht bei dicht steht. Die etwas selteneren Seggenarten (Carex acutiformis und vor allem C. elongata) zeigen schließlich, daß der Auwald hier noch weitgehend intakt ist.

Vor dem alten Bahndamm hat lange Zeit ein Maisfeld existiert, das intensiv mit Kunstdünger bearbeitet worden ist. Da zwischen Feld und Auwald nur ein Wanderweg gewesen ist und zudem ein starkes Gefälle in das Tal bestanden hat, sind große Mengen an Nährstoffen in die Aue gelangt. Das Ergebnis sind enorme Brennesselbestände, die zwar durchaus ihren ökologischen Wert besitzen, aber nicht gerade in einem Feuchtgebiet. Hier - wie auch anderswo im Broichtal - wünscht man sich manchmal die Zeiten zurück, in denen Arnold Foerster gelebt hat, seines Zeichens „Oberlehrer an der Realschule zu Aachen“. In seiner 1878 erschienenen Lokalflora schreibt er zum „Welschkorn“ bzw. „Türkischen Weizen“ (Zea mays = Mais): „In Gärten in vielen Spielarten, aber nicht im freien Felde angebaut“...

Jenseits des Bahndammes ist das Tal wiederum naturnah erhalten. In der Nähe der Kranentalsmühle, deren einstiger Stauweiher längst trockengelegt ist, quert eine Brücke den Bach. Hier bekommt man aus nächster Nähe einen Eindruck vom natürlich mäandrierenden Fließgewässer mit seinem  begleitendem Auwald. Bei Hochwasser im Frühjahr bilden sich in Altarmen zahlreiche Tümpel, die von Erdkröten und verschiedenen Molcharten als Laichplätze genutzt werden.

Noch befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft im Hangbereich ein Aufforstungsgebiet mit Nadelbäumen. Vor allem in den 90er Jahren haben Sturmeinwirkungen den deutlich erkrankten Bestand gelichtet. Nach Aussagen des Landschaftsplanes ist hier vorgesehen, den Fichtenforst sukzessiv in einen Mischbestand umzuwandeln. Somit wird ein natürlicher Anschluss der Hartholzaue an den Kellersberger Wald erreicht. Ähnliches wäre für die Bestände in der Nähe des Kellersberger Forsthauses wünschenswert.

Noch 1985 berichtet Hein Küsters vom nächsten Bachabschnitt:

„Nach einer kleinen Wegstrecke dann die neben dem geschichtsträchtigen Gutshof liegende, heute mechanisierte Kellersberger Mühle mit Teich und baumbestandener Insel. 1721 erwarb Peter Offergeld den bis heute in Familienbesitz verbliebenen Betrieb. Seine sieben Söhne wurden alle Müller mit eigenen Mühlen.“ Seit 1971 ist das Gewässer verfüllt. Der wassergebundenen Vogelwelt und manchen Amphibien ist ein wertvoller Biotop verloren gegangen...

Die nun folgenden Bereiche Hundeweiher, „Ruhezone“, Tageserholungsanlage, Alsdorfer Weiher und Tierpark werden in gesonderten Abschnitten behandelt, so daß wir bei unserer Gedankenwanderung hier einen größeren Sprung machen.

Um den Verlauf des Broichbaches jenseits der Bundesstraße 57 zu verfolgen, benutzt man am besten die Unterführung hinter dem Tierpark. Diese Fußgängerunterquerung hat man 1977 zwischen dem Tierparkbereich und Wintgens Mühle ausgebaut. Bis zu diesem Zeitpunkt hat bezeichnenderweise eine alte Viehdrift unter der Straße hindurchgeführt, die nicht mehr benutzt worden ist.

Vorbei an Forsthaus, Schloss Ottenfeld und Kläranlage Broichbachtal kommt man entlang des noch kanalisierten Baches letztlich zur sogenannten Römerbrücke. In der Nähe hat früher die Römer Mühle gestanden, neben der weiter bachabwärts liegenden Bergermühle die vorletzte im Reigen der Broichbach-Mühlen, ursprünglich allerdings eine Spinnerei. Später hat man sie in eine Feilenschleiferei umgerüstet. Sie ist bis zu ihrem Abriss im Jahre 1960 im Besitz der Familie Stommel. 

© Wolfgang Voigt 2001