Wolfgang Voigt

Natur in Alsdorf – ein naturkundlicher Spaziergang

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Teil 3: Die anderen Bäche

 

Die anderen Bäche

 

- Siefenbach

So mancher hält das Siefenbachtal für einen Teil des Broichbachtals, weil oberhalb des Broicher Weihers sich das eine in das andere geradlinig fortsetzt, während der Broichbach im Bereich der Alten Kläranlage Broich abknickt.

Tatsächlich ähnelt das Tal am „Siefengraben“ (so der ursprüngliche Name des Rinnsals) mit dem ausgeprägten Bruchwald eher den bachabwärts liegenden Bereichen als das eigentliche Broichbachtal am Broicher Bend.

Am oberen Ende liegen die „Mariadorfer Angelteiche“ des Betriebsangelsportvereins Maria Hauptschacht. Dieser existiert seit 1960. Damals hat man die ehemaligen Schlammteiche des EBV in Angelgewässer umgewandelt. Seit den neunziger Jahren bemüht man sich um eine naturnahe Gestaltung des Umfeldes der Fischteiche. Mitglieder der großen Jugendabteilung haben sich mehrfach durch Naturschutzaktivitäten hervorgetan. So hat man im Tal Nistkästen aufgehangen und betreut. Längere Zeit hat es allerdings auch Probleme mit dem Naturschutz gegeben, und zwar wegen einer Pumpe, die im Sumpfgebiet zwischen den Teichen und dem Weiher installiert gewesen ist. Mit Übernahme des betroffenen Geländes durch den NABU hat man schließlich eine Lösung durch Umsetzen der Pumpe in den Teichbereich gefunden.

Im Dezember 1993 ist durch einen Unfall auf der A 44 aufgedeckt worden, das Oberflächenwasser von der Autobahn in den Siefenbach geleitet wird. Ein Tankwagen ist umgekippt, und es hat sich der Inhalt in die Landschaft ergossen. Von Alsdorf bis Herzogenrath hat sich der Broichbach weiß gefärbt. Die Tankfüllung hat nämlich aus flüssiger Sahne bestanden. Im Siefenbachtal hat man nachgemessen: 30 Zentimeter hoch hat hier die Sahne gestanden. Karl Gluth merkt in einem Leserbrief kritisch an: „Später hieß es, daß auch Dieselkraftstoff ausgelaufen ist. Wenn die Milch im Broichbach Richtung Wurm floss, so nahm auch der Dieselkraftstoff diesen Weg. Es ist schon erstaunlich, daß Schadwasser von der Autobahn ungeklärt in einen Bach in ein Naturschutzgebiet abgeleitet wird. Da versucht man den Leuten seit Jahren zu erzählen, in Deutschland ist der Umweltschutz an erster Stelle in Europa. Wenn nun anstatt Milch ein Tankwagen Lösungsmittel geladen hat und verunglückt, ist die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten. Wasser von der Autobahn muss in Rückhaltebecken geleitet werden. Eine Ableitung in Bäche und Flüsse ist bodenloser Leichtsinn.“

 

-Euchener Bach

Wie der Name aussagt,  kommt dieser Bach aus dem benachbarten Würselener Stadtteil Euchen. Er ist über eine weite Strecke verrohrt, durchläuft derart gebändigt die Feldflur unterirdisch und kommt oberhalb der Kläranlage Euchen an das Tageslicht. Ab dort dient er als Vorfluter für das geklärte Wasser und erhält dadurch eine deutlich stärkere Wasserführung, da u.a. das gesamte Oberflächen- und Abwasser aus dem Gewerbegebiet Aachener Kreuz (früher: Kaninsberg) hierhin geleitet wird. So gesehen, könnte man die Kläranlage als eigentliche Quelle bezeichnen.

Der Bach läuft auf das Rückhaltebecken am Alten Bahndamm zu, unterquert diesen durch einen Tunnel und schwenkt dann zwischen der ehemaligen Bahnlinie und dem Straßendorf Alt-Ofden in Richtung Kellersberger Hof. In dessen Nähe mündet er dann in den Broichbach.

Ökologisch wertvoll ist eigentlich nur der Bereich „Euchener Bend“ zwischen Kläranlage und Altem Bahndamm. Hier entstanden mit der Zeit einige Kleingewässer, vor allem durch das Engagement des bereits erwähnten aktiven Naturschützers Helmut Meurer. Der Wasserverband hat Mitte der 90er Jahre ein größeres Gewässer hinzugefügt.

Hinter der Ofdener Bebauung ist im Rahmen der IV. Alsdorfer Naturschutztage eine neue Streuobstwiese angelegt worden. Diese wertet das Tal an einer Stelle auf, wo früher bei Hochwasser die Alsdorfer mit dem Paddelboot umhergefahren sind. Jedenfalls sind dem Autor Privatfotos bekannt, welche dies belegen.

 

- Schleibach

Der Schleibach hat sein Tal zwischen der B 57 und dem Hang im Norden Ofdens, der mit dem sogenannten „Ofdener Wäldchen“ bestanden ist. Der Graben in diesem Bereich ist wohl kaum mit dem ursprünglichen Bachlauf identisch. Alleine die Flurbezeichnung „Schleibacher Furt“ deutet darauf hin, daß das Gewässer einmal wesentlich breiter gewesen ist, und man deshalb eine seichte Stelle als Durchgang benötigt hat. Auch talaufwärts jenseits des Schleibacher Hofes und oberhalb der Siedlung Schleibach verlieren sich die Spuren.

In den 80er Jahren hat es Überlegungen gegeben, den Schleibach aus dem Untergrund zu holen und das gesamte Tal zu renaturieren. Diese Planungen hat man aber wieder fallen lassen.

 

 - Birker Bach

Dieser Bach kommt, wie der Name sagt, aus dem Bereich „Birk“, zwischen Alsdorf und Würselen gelegen. Er mündet am Rande des Parks von Schloss Ottenfeld in den Broichbach. Leider sind die Ufer beider Bäche im Bereich des Einlaufes befestigt.  Der Birker Bach hat – vor allem seit seiner Begradigung im Jahre 1969 - keine große Bedeutung und wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

 

- Merzbach

Der Merzbach ist bekannt dafür, daß er seine Quellbereiche stetig bachabwärts verlegt hat. Dies ist eine Folge des benachbarten Braunkohle-Tagebaus und der damit verbundenen Grundwasserabsenkung. Arnold Foerster gibt 1878 in seiner Lokalflora noch „Oberhalb der Merzbrücke, an der Straße von Winden und Röhe im Probsteier Walde entspringend“ an. Im allgemeinen wird die Quelle heute bei Gut Klösterchen (Merzbrück) lokalisiert. Der Bach mündet unterhalb Linnichs in die Rur. Im Vergleich zur Tranchot-Karte wird deutlich, daß auch der gesamte Verlauf durch den Tagebau verändert worden ist. Ist er früher von St. Jöris kommend über die nicht mehr vorhandenen Ortschaften Lürken, Langweiler und Laurenzberg geflossen, so hat man ihn wegen dem Kohleabbau über Kinzweiler an der Deponie Warden vorbei gelegt. Teilweise hat man den Bach sogar verrohrt.

In den 50er und 60er Jahren ist der Merzbach zur Schaffung großer landwirtschaftlicher Nutzflächen zusätzlich in ein mehr oder weniger geradliniges Betonbett gezwängt worden. Wie in anderen Regionen auch, hat der zuständige Wasserverband als weitere Begründung für diese Maßnahme das schnelle Abführen von Niederschlägen und Abwässern angeführt. Bereits im Bereich von Warden hat sich aber die Degradierung zu Abflussrinne gerächt. Ein Engpass in Form eines Brückenbauwerkes hat zur regelmäßigen Überflutung von Teilen dieses Ortsteiles geführt. 

1991 hat dann der Kreistag des Kreises Aachen den Landschaftsplan I beschlossen. In diesem hat man festgelegt, daß der Merzbach wieder renaturiert wird. Im Juli 1994 hat man mit der Realisierung begonnen. Gekoppelt gewesen ist diese Maßnahme allerdings mit dem Bau eines Wasserrückhaltebeckens (RHB), mit dem man versucht hat, die Hochwasserprobleme Wardens zu lösen.

Die Renaturierung hat man zunächst auf einer Länge von 400 Metern durchgeführt. Zwischen dem Wardener Friedhof und dem Zulauf zum RHB hat man die Verrohrung aufgehoben und den Bach in künstliche Mäander gelegt. Durch Pflanzung von Erlen, Ahorn und verschiedenen Straucharten wird der Merzbach wieder zu einem natürlich beschatteten Fließgewässer.

Das Rückhaltebecken ist auf ein Regenereignis hin konzipiert, das statistisch alle 50 Jahre vorkommt. Das Fassungsvermögen beträgt daher 28.500 Kubikmeter. Im landschafts-pflegerischen Begleitplan heißt es: „Das notwendige RHB soll naturnah gestaltet und in das Landschaftsbild eingefügt werden. Weiterhin sollen die ökologischen Funktionen des Merzbaches über die ‘Renaturierung’ des verrohrten Baches wieder initialisiert und gestützt werden.“

Alleine der Anlage des RHB werden 15.000 Quadratmeter Ackerfläche und 2.000 Quadratmeter Brachland geopfert. Eine 600 Quadratmeter große Obstwiese mit etwa vierzig Jahre alten Hochstamm-Obstbäumen muss ebenso weichen wie einzelne großkronige Walnuss- und Eschenbäume sowie Weißdornhecken und Feldgehölze. Die zerstörte Obstwiese ist an anderer Stelle durch eine 1.050 Quadratmeter große Neuanlage ausgeglichen worden. Bei seiner Recherche für eine Halbjahresarbeit am Gymnasium der Stadt Alsdorf stellt Wolfgang Deuster allerdings fest, daß man sich dabei nicht an die im landschaftspflegerischen Begleitplan festgeschriebene Pflanzenliste gehalten hat.

Im Dezember 1996 und Januar 1997 wird der Merzbach in einem zweiten Abschnitt renaturiert. Hierbei werden auf einer Länge von 560 Metern immerhin 8.000 Kubikmeter Erde bewegt. Das Bachbett wird von 1,20 Meter Breite auf durchschnittlich 8 Meter gebracht. Als Initialzündung werden 35 Hochstammbäume, 450 kleinere Bäume und 1600 Sträucher entlang des neuen Baches gepflanzt. Udo Thorwesten von der Unteren Landschaftsbehörde erklärt bei der Vorstellung des Projektes: „Wir legen den Bachlauf bewusst grob an, damit der Bach sich seinen Weg suchen kann.“

© Wolfgang Voigt 2001