Wolfgang Voigt

Natur in Alsdorf – ein naturkundlicher Spaziergang

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Teil 4: Stehende Gewässer

 

 

Stehende Gewässer

 

Die zahlreichen Stehgewässer im Alsdorfer Stadtgebiet sind allesamt menschlichen Ursprungs: Mühlenteiche bzw. -weiher, Angelteiche, Halden- und Bergsenkungsgewässer.

Die Absetzteiche des EBV werden unter dem Stichwort „Halden“ abgehandelt. Das Bergsenkungsgewässer „Sueren Pley“ in der Nähe des Nordfriedhofs hat ein eigenes Kapitel. Die Angelteiche sind größtenteils so naturfern gestaltet, daß sie hier keine Berücksichtigung finden. Bleiben die Mühlenteiche, die allerdings in ihrer Zahl reduziert worden sind. So ist zum Beispiel der Teich an der Kellersberger (früher: Ofdener) Mühle Anfangs der 70er Jahre zugekippt worden, nach Aufzeichnungen von Gerhard Moll bis zu diesem Zeitpunkt ein bedeutendes Brut-, Nahrungs- und Überwinterungsgewässer für eine Vielzahl von Wasservögeln. Für diesen Bereich ist der Landschaftsplan zu spät gekommen.

 

- Broicher Weiher

Es handelt sich um einen der ältesten der Stauweiher im Broichbachtal, die allesamt zunächst dazu gedient haben, ein Mühlrad anzutreiben.

Peter Schiffer schreibt 1908 in seinem „Broichtal-Führer“: „Gleich einem großen, strahlenden Auge, das zum Himmel aufblickt, erscheint die glänzende Wasserfläche in ihrer grünen Umgebung. An der einen Seite rechts führt ein Weg, getrennt durch einen schmalen Uferstreifen, der mit Baum- und Strauchwerk und verschlungenem Brombeergerank bewachsen ist, am Weiher vorbei. Wir wandern zum entgegengesetzten Ufer. Am Ende des Teiches, der ungefähr 20.000 Quadratmeter Fläche hat, klappert luftig eine Getreidemühle, die Broicher Mühle.“

Hein Küsters weiß zu berichten:

„Das bäuerliche Anwesen an diesem Gewässer war der Standort der einstigen Broicher Mühle. Dieses Mahlwerk war früher mit einem Restaurationsbetrieb gekoppelt, und zahlreiche Sommergäste kamen hier in Pension, um Erholung in diesem idyllischen Talkessel zu finden.“

Der Broicher Weiher ist bis zum Zweiten Weltkrieg - vor allem für die damalige Hoengener Bevölkerung - ein beliebtes Ausflugsziel gewesen. Sandhang und Sand“strand“ haben hierbei eine große Rolle gespielt.

Bis in die 60er Jahre hinein ist das Gebiet dann etwas zur Ruhe gekommen, so daß sich die Natur erholt hat. Besonders die Ausbildung eines Schilfgürtels wäre hier zu nennen. Mit der Ausbreitung des Angelsportes (Verkauf von Tageskarten durch den Eigentümer), den Einsatz von Fischen (auch Graskarpfen) und deren Anfüttern hat das Gewässer in den 80er und frühen 90er Jahren deutlich gelitten. Auch das Röhricht ist wieder weit zurückgedrängt worden, so daß die etwa 22.000 Quadratmeter große Wasserfläche weitgehend ohne Bewuchs gewesen ist.  Als der Kreistag schließlich das gesamte Gebiet zwischen dem Alsdorfer Weiher und den Mariadorfer Angelteichen 1991 im Landschaftsplan I zum Naturschutzgebiet bestimmt hat, ist die fischereiliche Nutzung „in der bisherigen Form“ als Recht erhalten geblieben. Dies ist einer der Gründe gewesen, warum der Naturschutzbund Deutschland, Kreisverband Aachen-Land das mehr als 6 Hektar große Gelände zwischen dem Alten Bahndamm und den Mariadorfer Angelteichen mit Mitteln der Nordrhein-Westfalen-Stiftung und aus dem Naturschutz-Programm Aachener Revier aufgekauft hat. Die Eigenleistung hat dabei 30.000 DM betragen. Am 1. Januar 1995 erfolgt der Besitzwechsel von der Familie Matthias Mertens (Broicher Mühle) zu den Naturschützern, auf deren Antrag hin letztlich auch die angesprochene Unterschutzstellung erfolgt ist. In diesem Zusammenhang sollte man Robert Dreling, Karl Gluth und Gerhard Moll namentlich erwähnen, die hierfür bei Biotopkartierungen wichtige Daten zusammengetragen haben.

Besonders ober- und unterhalb des Weihers findet man ausgedehnte Bruchwaldreste aus Erlen und Weiden, während im Hangbereich teils Reste der Hartholzaue mit alten Eichenbäumen, teils heideähnliche Flächen einander abwechseln.

Unmittelbar an der Mühle gibt es einen stattlichen Bestand der Pestwurz. In den Auwaldbereichen ober- und unterhalb sind, wie schon erwähnt, die gelben Blüten der ausgedehnten Sumpf-Dotterblumen-Bestände im Frühjahr eine Augenweide.

In der Sandbucht des Weihers stehen seit 1995 Kopfweiden. Sie sind auf das Setzen von Weidenstecklingen durch den Naturschutzbund zurückzuführen, der die später bewurzelten und ausgeschlagenen Weiden auch pflegt. Im seichten Wasser dieses Bereiches sind im Frühjahr Tausende von Erdkrötenlarven anzutreffen. Für die Bevölkerung, vor allem die Kinder, ist dies heutzutage eine besondere Attraktion. Leider kann man auch immer wieder Zeitgenossen erleben, die mit Stöcken die Kröten nach dem Ablaichen in das Wasser zurückbugsieren, weil die vermeintlichen „Frösche“ doch in den Weiher gehören. Hier ist noch manches an Aufklärung nötig!

Das Märchen von den „stechenden“ Libellen scheint dagegen aus der Welt zu sein. Die meisten Menschen erfreuen sich an den fliegenden Edelsteinen. Zur Libellenfauna des Broicher Weihers gehören Blaugrüne Mosaikjungfer, Große Königslibelle, Torf-Mosaikjungfer, Hufeisen-Azurjungfer, Gemeine Smaragdlibelle, Große Pechlibelle, Gemeine Binsenjungfer, Plattbauch, Großer Blaupfeil, Gemeine Winterlibelle und Blutrote Heidelibelle. Ein Teil dieser Arten ist nur durch ihre Larven belegt.

Zu den größeren Wasserbewohnern gehören die Teichmuscheln und natürlich die Fische. Nach Auskunft von Anglern anfangs der 90er Jahre kommen hier hauptsächlich Flussbarsch, Hecht, Karausche, Karpfen, Rotfeder, Schleie, Zander und Bitterlinge vor. Hin und wieder sieht man den Bisam durch den Weiher schwimmen. 1997 ist in der Nähe der Broicher Mühle ein Nutria tot aufgefunden worden. Der Sandhang ist durchwühlt von zahlreichen Kaninchen. In den hohen Bäumen entdeckt man häufig Eichhörnchen, und auch Bilche gibt es hier, allerdings nur durch überwinternde Haselmäuse in Nistkästen belegt. Über dem Gewässer und im weiteren Umfeld jagen zudem Abendsegler, Wasser- und Zwergfledermaus.

108 Vogelarten haben DBV- bzw. NABU-Mitglieder bisher an diesem Gewässer registriert. Darunter gibt es seltenere Arten und ausgesprochene Raritäten, die allerdings auch meist nur als Einzelbeobachtungen in Erscheinung treten. Einige seien hier genannt: Brautente (1994 und 1995), Bruchwasserläufer (1969), Knäkente (1968 und 1969), Löffelente (1972, 1975, 1992), Nilgans (1997), Pfeifente (1967), Schnatterente (1976), Schwarzmilan (1996), Schwarzspecht (1992), Spießente (1992), Steinschmätzer (1974), Waldschnepfe (1976), Wendehals (1956 und 1997) und Zwergdommel (1965). Die absolute Sensation ist allerdings im August 1983 die Purpurralle gewesen. Bei Gerhard Moll ist in seinem 23. naturkundlichen Jahresrückblick hierzu nachzulesen:

„Am 17.8.83 sah K. Martin, Pensionär und Angler, am Broicher Weiher in einer Schilfinsel einen ihm bisher unbekannten Vogel, der gewisse Ähnlichkeit mit der allerdings viel kleineren Teichralle hatte. Der klobige rötliche Schnabel und die relativ langen Beine fielen auf; aber das Erstaunlichste und zugleich Schönste war das blaue Federkleid des Vogels. Zu Hause kam der Beobachter dann anhand eines Vogel-Bestimmungsbuches zu dem verblüffenden Schluß: ‘Das muß eine Purpurralle sein! Die gibt es in Deutschland zwar gar nicht sondern nur in Südspanien, Nordafrika, in der Türkei usw.; aber es kann gar nichts anderes als eine Purpurralle sein!’ Er rief nun J. Jossen, Mitglied des Ornithologischen Vereins, an und teilte ihm seine Entdeckung mit. Dieser war sehr skeptisch, fuhr jedoch sofort, bewaffnet mit Fernglas und einschlägiger Literatur, zum Broicher Weiher und konnte bestätigen: ‘Purpurralle (Porphyrio porphyrio), auch Purpurhuhn genannt!’ Nun kam eine Lawine ins Rollen: Die Vorstände der Ornithologen und Vogelschützer, die Gesellschaft Rheinischer Ornithologen usw. wurden verständigt; denn es handelte sich um das erste Erscheinen dieser Vogelart im Rheinland und um die 8. Beobachtung seit 1788 für ganz Deutschland! Die Sensation am Broicher Weiher lockte zahlreiche Fachleute an. Ihre Geduld wurde meistens auf eine harte Probe gestellt; denn der Vogel war sehr scheu und kam nur selten aus seinem Schilfversteck heraus. Gelegentlich schwamm er, indem er beide Füße abwechselnd  bewegte und die Fußgelenke weit aus dem Wasser schauen ließ. Diese Fortbewegungsart veranlaßte einen Zuschauer zum Ausruf: ‘Wie ein alter Mississippi-Raddampfer!’ Ab und zu bewies die Purpurralle durch Rundflüge ihre volle Flugfähigkeit. Dieser Umstand, sowie ihre große Scheu und die Tatsache, daß sie nicht beringt oder auf andere Weise gekennzeichnet war, ließen berechtigten Zweifel daran aufkommen, ob es sich vielleicht um einen Zooflüchtling handelte. Hinweise über die Herkunft des seltenen Gastvogels fehlen bisher gänzlich. ...“

Soviel zum seltensten Gast am Broicher Weiher. Hier ist es übrigens auch gewesen, daß Gerhard Moll im Mai 1958 die erste Bläßralle auf Alsdorfer Stadtgebiet entdeckt hat. Seinerzeit ist dieser schwarze Wasservogel mit dem weißen Stirnfleck gegenüber den häufigeren Teichrallen im Kreisgebiet deutlich in Unterzahl gewesen. Heute sieht es anders aus. Die Bläßrallen haben die ehemaligen Charaktervögel an den Gewässern stark zurückgedrängt.

Seitdem das Angeln aufgehört hat, sieht man auch Bach- und Gebirgsstelze, Eisvogel, Graureiher und Zwergtaucher wieder häufiger. Zudem sind mittlerweile Flußregenpfeifer, Flußuferläufer, Haubentaucher und Kormoran festgestellt worden. Die Mandarinenten, zunächst häufige Gastvögel, gehören jetzt zu den Brutvögeln. Auch sie stammen von der Tierparkpopulation ab. Vielleicht stellen sich auch wieder Krick- und Tafelenten ein, die früher hier gebrütet haben.

Im Oktober 2000 beginnt der Wasserverband Eifel-Rur mit der Beseitigung des viel zu klein dimensionierten Tosbeckens und der Errichtung einer Sohlgleite für Fische am Damm an der Broicher Mühle. Damit wird der Hochwasserschutz für das Gehöft und die Durchgängigkeit für bachaufwärts wandernde Fische gewährleistet. Der Antrag zu dieser Maßnahme stammt vom NABU Aachen-Land.

Broicher Wejjer. En de Sankkull onger dr Hang, / do soß ich fröjjer stonndelang. / Kicket op dr Broicher Wejjer, / ich kom döcks on jeär no hejjer. // Leß dr Sank, dä wiss on blank, / janz stell loofe dörch de Hank. / De Mölle mahlet jedden Daach / on sauber worr dr Broicher Baach. // Jlocke konnt me lugge hüere, / Sperber senn on Heuduft spüre. / Spechte, Krööetsche on Libelle / konnt me he noch massisch zälle. // Wo sich trofe Fuchs on Wiesel, / rüscht et hü no Oel un Diesel. / De Loff es voller Smog on Dreck, / de Maikäfer send längs at weg. // Dr Böisch, dä worr jesonk on jrön / on net verseucht met kranke Böm. / „Schutzgebiet“ steht op e Scheld, / ävver Düsenjäjer dröhne weld. // Wo führt dat henn, / wo hüet dat op, / send werr meschugge en dr Kopp? / Et es jenoch, lev Lü maht Schluß, / sons jeht de Lamp för emmer us.“  (Hein Küsters)

 

- Hundeweiher (Kellersberger Weiher)

Angeblich hat der Kellersberger Weiher seinen Zweitnamen daher, daß man hier früher unwillkommenen Hundenachwuchs ertränkt hat. Tatsächlich hat man auch, Augenzeugen-berichten zufolge, bei Entschlammungsaktionen massenhaft Knochen gefunden, die von Haustieren stammen könnten. Keiner hat sich aber damals die Mühe gemacht, die Skelettreste zu bestimmen. Da scheinen die Funde der Gruppe Broichbachtal eindeutiger, die sie Ende der 80er Jahre bei einer Säuberungsmaßnahme im Broichbachtal machte. Nahezu vollständige Pferde- und Rinderskelette im Wald des Hanges oberhalb des Hundeweihers, unmittelbar an der Grenze zur Kellersberger Bebauung. Stumme Zeugen von Schwarzschlachtungen nach dem Zweiten Weltkrieg?

„Hundeweiher nennt er sich, doch eigentlich verdient er den Namen Weiher überhaupt nicht. Von Wasser ist nämlich kaum etwas zu sehen. Statt dessen zeigt sich der ‘Weiher’ am Kellersberger Hof in Alsdorf als Schlammloch. Die Kläranlage in Euchen hatte eine Zeitlang nicht richtig funktioniert, und so war über den Broichbach viel Schlamm angeschwemmt worden. Was dadurch entstand, riecht nicht gut und ist auch nicht gerade nett anzusehen. Wo doch der Hundeweiher an den Freizeitpark Broichbachtal angrenzt. Und so war es nur noch eine Frage der Zeit, bis nun Stadtrat und Verwaltung grünes Licht zum Ausbau des Teiches gaben.

Dass der Weiher zu einem Schlammloch mit entsprechendem Bewuchs wurde, hatte allerdings auch sein Gutes. Es ließen sich hier Tierarten nieder, die speziell diese Art von Feuchtgebiet als Lebensraum bevorzugen. Tierarten, die ansonsten in unserer Gegend gar nicht mehr zu finden sind. Die Naturschützer, und hier insbesondere Gerhard Moll vom Vogelschutzbund, setzten sich deshalb bei den Planungen für den neuen, umgestalteten Hundeweiher dafür ein, daß auch weiterhin dieser spezielle Lebensraum erhalten bleibt. Unterstützung erhielt er neben anderen auch von Schülern des Alsdorfer Gymnasiums, die in einer beispielhaften Initiative zur Erhaltung der Pflanzenwelt des Teiches beitragen.“ So hat der AVZ-Journalist Udo Lahm im Oktober 1983 seinen Artikel „Mit dem ‘neuen’ Hundeweiher entsteht im Revier ein weiteres Naturparadies“ eingeleitet.

Die Konzeption für die Weiherumgestaltung hat das Aachener Planungsbüro Hallman/Rohn entwickelt, das bereits für die Gestaltung der Tageserholungsanlage Broichbachtal verantwortlich gewesen ist. Neben den Wünschen der erwähnten Naturschutzgruppierungen sind auch diejenigen der Sportfischer und des Wasserverbandes Obere Wurm eingeflossen.

 

- Alsdorfer Weiher

Der Alsdorfer Weiher stellt, wie andere ähnliche Gewässer auch, wohl ursprünglich einen Mühlenweiher dar. Gleich zwei bachabwärts liegende Mühlen dürften von hier aus mit Wasser versorgt worden sein: die Kornmühle (später Linkens Mühle) und die Alsdorfer Ölmühle (später Hof Wintgens), letztere einst mit Fuhrmannskneipe, in der sogenannten „Todeskurve“ gelegen. Beide hat Josef von Blanckart 1868 von seinen Alsdorfer Verwandten gekauft.

1923 ist am Alsdorfer Weiher eine Schwimmanstalt errichtet worden.

Für 800 Reichsmark jährlich hat die Gemeinde Alsdorf den Weiher zunächst von  Ottenfeld gepachtet. Im Jahre 1955 geht das Gelände durch Kauf aus dem Besitz des Grafen von Borghgrave in das Eigentum der Stadt über. Kurz vorher hat die Stadt das Gewässer noch mit Baggereinsatz das erste Mal entschlammen lassen.

Im östlichen Teil des Weihers ist bis heute ein ausgedehnter Schilfbestand zu finden. Die Sperrung dieses Bereichs für den Bootsverkehr und die Schwimmer hat sich durchaus gelohnt.

Der Alsdorfer Weiher hat keine direkte Verbindung zum Broichbach und wird hauptsächlich durch Hangquellen und eine Pumpenanlage gespeist. Das Wasser hat entsprechend gute Qualität, auch infolge der Entschlammungsaktion mit Hilfe eines Schwimmbaggers im Frühjahr 1984, was das Vorkommen seltener Weichtiere wie Teichmuschel und Teichnapfschnecke erklärt. Die hier episodisch, aber dann in Massen auftretende Süßwasserqualle (Craspedacusta sowerbyi) bevorzugt ebenfalls saubere Gewässer.

Der Weiher weist durchaus auch eine üppige Unterwasserflora auf. Krauses Laichkraut, Rauhes Hornblatt, Tausendblatt und Wasserpest sind hierfür vor allem verantwortlich. Neben der bereits erwähnten Schneckenart findet man in diesem Pflanzendickicht Sumpfdeckel-, Spitzschlamm-, Posthorn-, Ohrschlamm- und Tellerschnecken. Auch die meisten Insektenlarven wie die der Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Zuckmücken und Libellen sind hier ebenso zu Hause wie die Wasserassel. Kleinkrebse wie Wasserflöhe und Hüpferlinge ergänzen das Nahrungsangebot für die Friedfische, zu denen Karpfen, Karauschen, Schleien und Rotfedern zählen. Von den sogenannten Raubfischen kommen der Hecht und der Zander vor. Beide können über einen Meter lang werden. Aufgrund von Elektrobefischungen weiß man zudem, daß sich im Gewässer auch noch Aale, Bitterlinge, Brassen, Flussbarsche, Moderlieschen, Plötzen, Regenbogenforellen und Rotaugen tummeln. Ein Großteil des Fischbestandes ist durch eingesetzte Tiere zu erklären, handelt es sich beim Alsdorfer Weiher doch unter anderem auch um ein Angelsportgewässer. Durch Presseberichte ist zum Beispiel belegt, daß 1956 je 1.000 Brassen, Karpfen, Regenbogenforellen und Rotfedern eingebracht worden sind. 1972 sind dann 30 Zentner Rotaugen hinzugekommen.

Georg Bösl schreibt 1975 noch: „Im Kahnweiher leben nur drei Arten Wasservögel: Stockente (Anas platyrhyncha), Teichhuhn (Gallinula chloropus) und Bleßhuhn (Fulica atra).“ Damit meint er wohl brütende Vögel.

Bis 1996 haben Mitarbeiter des Naturschutzbundes Deutschland immerhin exakt 33 Wasservogelarten als Brutvögel, Nahrungsgäste, Durchzügler und Wintergäste registriert. Nimmt man die nicht an das Wasser gebundenen Arten dazu, so kommt man auf die stattliche Gesamtzahl von 97.

Im Vergleich zum größeren, nicht durch Naherholungsdruck so stark belasteten Rückhaltebecken im benachbarten Herzogenrath schneidet der Alsdorfer Weiher aber schlechter ab. Dort sind es 62 Wasservogelarten. Die Gesamtzahl beobachteter Vogelarten beträgt 112. (Quelle: NABU) Das Herzogenrather Staubecken wird vom Broichbach durchflossen. Dies ist beim Alsdorfer Weiher bekanntlich nicht der Fall. Wahrscheinlich ist hierin der Grund zu suchen, weshalb die Haubentaucher häufig nach Alsdorf umziehen, wenn in Herzogenrath Bruten durch Hochwasserwellen verloren gehen. In den Jahren 1985 bis 1990 und 1993 bis 2000 hat er hier erfolgreich gebrütet. In den Jahren dazwischen ist er Nahrungsgast gewesen. Eine Episode aus dem Jahre 1995 sei hier eingefügt. In der Nähe des Schilfbereiches angeln Unbekannte verbotenerweise mit Köderfischen. Ein junger Haubentaucher schnappt nach dem Fisch, und Haken samt Schwimmer bleiben im Schnabel stecken. Fortan kann er keine Nahrung mehr aufnehmen. Beim Versuch von Naturschützern, ihn einzufangen, versteckt er sich im Schilf. Immer wieder ist die Mutter dabei zu beobachten, wie sie das Junge herauslockt, - vergeblich: es geht schließlich jämmerlich zugrunde. 1996 wird nach langjährigem Drängen des NABU wenigstens erreicht, daß der Angelsteg im Schilf vom Sportfischerverein Alsdorf beseitigt wird.

Ebenfalls in diesem Jahr erfolgt eine groß angelegte Fällaktion im Weiherbereich. Es werden 140 Pappeln beseitigt, deren jährlicher Eintrag von Laub und ölhaltigen Samen erhebliche Sichttiefenprobleme im Freibad nach sich zieht, was im Sommer 1996 sogar zur Schließung des Badegewässers geführt hat. Die Fällung hat Wolfgang Voigt, Sachkundiger Einwohner des NABU, im Ausschuss für Umwelt und Verkehr des Rates der Stadt Alsdorf als eine von mehreren Maßnahmen angeregt. Es handelt sich um Kanadische Balsampappeln, die bereits ein Alter erreicht haben, in dem sie deutlich an Standfestigkeit verlieren. Von Naturschutzseite aus kann die Aktion verschmerzt werden, da sich in unmittelbarer Nachbarschaft standortgerechtere Altbaumbestände entwickelt haben. Außerdem ist zu erwarten, daß im Rodungsbereich sukzessiv ein Jungaufwuchs von Erlen und Weiden nachfolgen wird, der das Gelände aufwerten dürfte. Bereits 1982 hat der Landschaftsarchitekt Heinz Willi Hallmann im Rahmen der Gestaltung der Tageserholungsanlage vorgeschlagen, die nicht verbreitungsgetreuen Hybridpappeln wegzunehmen, auch um den Talcharakter zu betonen.

Auf dem Wasser des Weihers kann man neben den Allerweltsarten Bläßralle, Teichralle und Stockente mit einigem Glück auch seltenere Arten entdecken, allerdings nicht gerade an heißen Wochenenden, wenn hier der Freizeitrummel ausbricht. Zu den bisher registrierten Wasservögeln gehören Knäk-, Kolben-, Krick-, Löffel-, Moor-, Reiher-, Schnatter-, Spieß- und Tafelente sowie Kormoran und Zwergtaucher. Wohlgemerkt: hier handelt es sich nicht um flügelgestutzte Überwechsler aus dem benachbarten Tierpark. Genannt sind nur wildlebende Enten, die auf dem Durchzug hier Rast machen oder als Gast gar den ganzen Winter im Broichbachtal verbringen. Anders ist das bei den Mandarinenten, deren Stammpopulation am Tierparkteich zu Hause ist, die aber ein Stückchen talaufwärts in der sogenannten Ruhezone auch schon erfolgreich gebrütet haben.

Im Winter sind oft hunderte Möwen im Bereich des Alsdorfer Weihers zu sehen, hauptsächlich Lachmöwen. Aber auch Silber- und Sturmmöwen sind darunter, 1957 sogar eine Dreizehenmöwe, die allerdings als Irrgast für unseren Raum eingestuft wird. Als weitere Einzelbeobachtungen bei den Durchzüglern liegen vor: Flußuferläufer, Gänsesäger, Waldwasserläufer und Wasserpieper.

 

- Laache

Allgemein versteht man unter „Laache“  einen „kleinen Weiher auf einer von Wasser durchflossenen Wiese, meist in einer Bruchlandschaft“. „Der Flurname stammt von einem Weiher, den die Katasterurkarte von 1826 westlich der heutigen Kläranlage ausweist. Dieser gehörte zu den vielen Weihern, die der Broichbach meist als Mühlenweiher speiste und die heute als Fischweiher dienen.“ (SCHMITZ, 1993)

Letzteres trifft auf die Laache nicht zu. Anders als beim Alsdorfer oder Broicher Weiher hat hier die natürliche Sukzession zu einem geschlossenen Schilfbestand geführt, weswegen Gerhard Moll in seinen Tagebüchern auch häufig vom „Schilfgrund“ spricht. Dies macht auch das Gelände, vor allem für die Vogelwelt so interessant. Es ist dies die einzige größere Fläche dieses Biotoptyps im gesamten Alsdorfer Stadtgebiet, man kann sogar sagen im Nordkreis.

Der Schilfgrund ist ein wichtiger Übernachtungsplatz für die Vogelwelt. Während der Zugzeit halten sich hier mächtige Schwärme von Staren und Schwalben auf. Zwischen 1958 und 1978 sind oft tausend Exemplare starke Schwärme von Grauammern den gesamten Winter hindurch Übernachtungsgäste gewesen.

In seinem ersten Artikel aus der Reihe „Das Vogeljahr...“ schreibt Gerhard Moll 1961:

„Hier ist in den Wintermonaten seit einigen Jahren ein besonderes Naturschauspiel zu beobachten, das Sammeln und Einfallen von Hunderten von Grauammern (Emberiza calandra). Auch am Abend dieses ersten Advents blieben die Tiere nicht aus. Kurz vor Einbruch der Dämmerung erschienen ungefähr 40 Vögel von Spatzengröße und schwangen sich unter leisen Rufen in die hohen Pappeln. Während ich sie durch das Fernglas beobachtete und zu zählen versuchte, brauste ein weiterer Schwarm heran. Von allen Seiten trafen in den nächsten Minuten wie zu einer Verabredung Trupps dieser an sich unscheinbaren Vögel ein.

Als 2 - 300 Grauammern in den Bäumen saßen, begannen sie plötzlich, steil anwärts ins Schilf hineinzufliegen. Es war, als ließen sie sich einfach fallen. Sekunden später war alles still.

Völlig unklar ist es, woher diese Massen an Kleinvögeln kommen; denn tagsüber findet sich in unserer Feldmark nur selten einmal eine kleine Gruppe dieser Art. Der Schlafplatz im Broichtal muss von Vögeln aus einem sehr weiten Umkreis aufgesucht werden, wie es vor Jahren der Fall war, als Tausende von Staren im gleichen Gelände übernachteten.

Allein schon wegen dieses einzigartigen Massenschlafplatzes müsste unbedingt der Schilfgrund erhalten bleiben. Trockenlegung und Anschüttungen müssen aus diesen und verschiedenen anderen Gründen eine Begrenzung haben.“

Was Gerhard Moll damals noch nicht hat ahnen können: Auch hier hat der Wasserverband ein Rückhaltebecken geplant. Durch massive Proteste der Vogelschützer ist dessen Realisierung schließlich unterblieben.

© Wolfgang Voigt 2001


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