Wolfgang Voigt

Natur in Alsdorf – ein naturkundlicher Spaziergang

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Teil 5: Wälder in Alsdorf?

 

Wälder in Alsdorf ?

Ja - es gibt sie noch: Wälder in Alsdorf. Jedoch sind die heutigen Restbestände bzw. Neupflanzungen in keiner Weise zu vergleichen mit den ausgedehnten Waldflächen etwa zu jenen Zeiten, als die Tranchot-Karte entstanden ist. Übriggeblieben bzw. neu angepflanzt sind lediglich 3,5 % des Stadtgebietes als bewaldete Fläche.

Wie an anderer Stelle angemerkt, deutet z.B. der Siedlungsname Blumenrath darauf hin, daß dieser Teil Mariadorfs auf einer Rodungsfläche entstanden ist. Bis hierher hat sich einst der sogenannte „Probsteier Wald“ erstreckt, der den meisten bis in die 90er Jahre nur noch als Autobahnraststätte (heute: „Aachener Land“) und als Standort eines Windrades bekannt ist. Auch die Stadtteile Mariadorf, Begau und Broicher Siedlung stehen auf dem Gebiet gerodeter Teile dieses ehemals riesigen Waldkomplexes, wie Heinz Schüller 1992 erkundet hat. Der Probsteier Wald hat seinen Namen daher, daß Kaiser Ludwig der Fromme den Wald der Domkirche zu Köln geschenkt hat. Die Kölner Dompropstei hat ihn bis 1794 besessen. Nachdem die Franzosen ihn an verschiedene Gemeinden verteilt haben, kauft ihn der Eschweiler Bergwerksverein im Jahre 1834.

Auch der Stadtteil „Busch“ hat seinen Namen daher, daß man diese Siedlung auf ehemaligem Waldgrund errichtet hat.

Im neuen Flächennutzungsplan, den die Stadt 1999 auf den Weg bringt, ist eine großzügige Wiederaufforstung nördlich der Siedlung Busch vorgesehen. Ein Stück Wiedergutmachung?!

 

- Kellersberger Wald

Der Kellersberger Wald, auch „Kellersberger Busch“ stellt heute einen Restbestand des ehemals größeren  „Kellersbergerbos“ dar. Er erstreckt sich zwischen dem jetzigen Friedhof und dem Kellersberger Hof. Fasst man in weiter, so zählt man auch die Aufforstungsbereiche jenseits des Bahndamms in Richtung Broicher Weiher und Blumenrath dazu.

Bei Gerhard Moll lesen wir 1963 unter anderem:

„Von der Broicher Straße im Ortsteil Alsdorf-Kellersberg kommend, gehen wir nach Süden den sogenannten Ofdener Berg hinab und befinden uns dort bereits im Walde. Dichtes Buschwerk des Schwarzen Holunders steht unmittelbar an der Straße, dahinter erheben sich vor allem Kiefern und Lärchen. Zur Rechten wird der Blick frei auf den Kellersberger Weiher mit seiner Insel, die mit einer Gruppe von Erlen bestanden ist.“ Nun, - ganz so frei ist heute der Blick nicht mehr. Auch rechts der Straße steht mittlerweile ein dichter Baumbestand, hauptsächlich aus Rotbuchen bestehend und sich nahtlos an die Partien am Herrenweg anschließend.

Um den eigentlichen Kellersberger Wald zu erreichen, muss man am Kellersberger Hof und am Forsthaus vorbei in Richtung Kranentalsmühle. Kurz bevor man dort über eine alte Steinbrücke den Broichbach überqueren kann, wählt man den Weg hinauf zum Alten Bahndamm der ehemaligen Strecke Aachen-Jülich. Zwar ist ein Erlebnis wie 1963 („Rückblickend haben wir eine schöne Aussicht auf die Siedlung Ofden.“) nicht mehr möglich, doch ist das Gehen auf weichem Waldboden mehr als Entschädigung. Vorbei geht es an Birken- oder Fichtenbeständen.  Auf dem weiteren Weg durch den Wald begegnet man auf engem Raum Eichen- und Buchenpflanzungen, welche die forstwirtschaftlichen Maßnahmen vergangener Zeiten widerspiegeln.  Es ist zu begrüßen, daß in Zukunft das gesamte Gebiet sich zu einem Mischwaldbestand entwickeln darf. Dabei werden umgestürzte Bäume nicht unbedingt beseitigt und durch gezielte Neupflanzungen ersetzt. Dies fördert den natürlichen Stoffkreislauf durch die mineralisierenden Pilze. Wo man solche natürlichen Lichtungen sich selbst überlässt, wächst bereits dichtes Unterholz, begleitet von Brombeeren, außerdem Traubenholunder und Adlerfarn. Auch  Ahornarten mischen sich darunter. Einen reizvollen Kontrast bilden die hellstämmigen Birken vor dunklen Kieferdickungen. Hier findet man auch noch das „Männlein im Walde“, den giftigen, aber schönen Fliegenpilz.

Man wird nur selten diesen Wald durchschreiten können, ohne vom Schrei des Eichelhähers begleitet zu werden. Sein krächzender Alarmruf hallt bis hinab ins Broichbachtal. Andere markante Stimmen erlebt man in der Nacht: Waldohreule, Stein- und Waldkauz kann man mit einigem Glück bei einem einzigen Rundgang vernehmen oder sogar zu Gesicht bekommen. Alle drei haben in dem ausgedehnten Waldgebiet ihre Brutplätze. Das Trommeln von Buntspecht und das „Lachen“ des Grünspechtes faszinieren einen hier ebenso wie ein Stück weiter talabwärts am sogenannten Herrenweg, der - teils auf halber Hanghöhe - den Bereich des ehemaligen Kellersberger Schlosses mit dem Alsdorfer Weiher verbindet.

 

- Ofdener Wälder

Im Bereich Ofdens gibt es zwei Waldbereiche: Zum einen den Kiefernwaldbestand in Alt-Ofden im Bereich des Alten Bahndamms, an dem ein angedeuteter Hohlweg in Richtung Bahnunterführung vorbeiführt;  zum anderen den weiter oben bereits erwähnten Mischwald unterhalb der Siedlung Ofden, zwischen Tierpark und Schleibach. Letzterer dürfte teils ein Rest des sogenannten „Überheiderbos“ sein, der bereits in der Tranchot-Karte auftaucht, teils eine Neupflanzung aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die in den Moll-Tagebüchern erst als „Ofdener Wäldchen“, später als ordentlicher Ofdener Wald erwähnt ist. 

 

- Zopper Wald

Das Zopper Wäldchen wird hauptsächlich von Nadelbaumbeständen geprägt. In weiten Bereichen handelt es sich um eine Fichten-Monokultur. Entsprechend schlecht ist auch der Gesundheitszustand.  Sauer Regen setzt den Bäumen zu. Sie kränkeln und die Larven des Borkenkäfers finden in den geschwächten Gehölzen reichlich Nahrung. Es ist daher verständlich, daß die BUND-Ortsgruppe Alsdorf ganz in der Nähe der Kläranlage Broichbachtal in den 80er Jahren Informationstafeln zum Thema „Waldsterben“ installiert hat. 

© Wolfgang Voigt 2001