Wolfgang Voigt

Natur in Alsdorf – ein naturkundlicher Spaziergang

Internetversion

Teil 7 : Parks und andere Grünflächen

 

- Südpark in Alsdorf Mitte

 

Ganz in der Nähe des Alsdorfer Verkehrsknotens „Denkmalplatz“ liegt eine kleine Ruheinsel, der Südpark. Wer weiß heute noch, daß für seine Gestaltung 1959 der „Friedhof am Ohligsweg“ aufgehoben worden ist? Mit der Eingemeindung der ehemals selbständigen Gemeinde Mariadorf hat er einen Namensvetter bekommen. Auch jener liegt an einer Hauptkreuzung, dem „Mariadorfer Dreieck“. Während der jedoch recht stattliche Ausmaße erreicht, ist der Alt-Alsdorfer eher beschaulich.

 

Ernst Hennig schreibt 1962 über die Anlage:

 

„Auch der kleine Südpark am Ehrenmal lohnt einen Spaziergang. Unsere Stadtgärtner haben sich überall viel Mühe gegeben, alles freundlich zu bepflanzen, so daß das Auge oft hell entzückt ist von den farbenfrohen Blumenbeeten und blühenden Sträuchern.“

 

Mit seinen wenigen charakteristischen Parkvogelarten wäre er sicherlich in dieser Übersicht unerwähnt geblieben. Ein Ereignis rückt ihn jedoch für Naturfreunde ins Rampenlicht.

 

1993 hat sich in den Wipfeln der hohen Bäume eine Saatkrähen-Kolonie angesiedelt. Sind es zunächst 5 Brutpaare gewesen , so hat man 1996 immerhin 22 besetzte Nester zählen können. Vermutlich stammen die ersten dieser Rabenvögel aus der ehemaligen Kolonie bei Neuweiler, welche durch Fällen der Brutbäume zerstört worden ist. Im Jahre 1997 verlassen die Krähen den Park (vielleicht wegen Baumaßnahmen auf dem Gelände der Post gegenüber) und gründen neue Kolonien auf dem nahen St.Brieuc-Platz (14 besetzte Nester) und An der Mariensäule (10).

 

Die Bäume dieses Parks haben einst unter den Emissionen der Kokerei an der Bahnhofstraßestark gelitten und sind arg verrußt gewesen. Seit der Stillegung im Jahre 1992 scheinen sie sich zögernd zu erholen. Vielleicht wird hierdurch die Zahl der anderen Brutvögel wieder größer.

 

 

 

- Burggarten

 

Ein weiterer Park mit altem Baumbestand ist unweit um die Alsdorfer Burg zu finden. Diese Rheinische Wasserburg stammt aus dem 15. Jahrhundert, - genauer: ihr ältester erhaltener Teil, der Turm, in dem seit langer Zeit Dohlen brüten. Die Burg mit Park ist im Februar 1935 durch die Gemeinde Alsdorf von Baron Josef von Blanckart für 45.000 Mark gekauft worden. Im Zweiten Weltkrieg ist das Gelände sehr stark geschädigt worden. In den 50er Jahren hat man es aus diesem Grunde überplant und zu einem etwa 20 Morgen großen Erholungsgebiet umgestaltet. Wie der Burggarten zu seinem Namen kommt, ist auf alten Abbildungen zu sehen: Eine ausgedehnte Gartenanlage, auch mit Nutzgartenanteil, präsentiert sich dort. Allerdings sind auch schon zahlreiche Laubbäume festzustellen, gegenüber heute jedoch in eher bescheidener Größe und Anzahl. Neben einigen eingebürgerten Arten (wie Roß- und Edel-Kastanie, Robinie oder Platane) und „Exoten“ (Rotdorn, Pyramidenpappel, Roteiche und Götterbaum) findet man hier auch viele einheimische Laubbäume, z.B. Spitz- und Berg-Ahorn, Rotbuche, Esche, Hainbuche, Kornelkirsche, Ulme, Stiel-Eiche und Linden. Leider sind in den 80er und 90er Jahren einige über hundert Jahre alte Exemplare wegen mangelnder Standfestigkeit gefällt worden. Immerhin hat man Stümpfe mit Höhlungen stehen lassen. In dem beliebten Park kann man nämlich so manche Beobachtung inmitten des hektischen Betriebs der Stadt machen.

 

„Wie ungezählte Male haben wir nach dem Turm geblickt, haben das reizvolle Bild in uns aufgenommen, das er zu jeder Tages- und Jahreszeit bot, am schönsten wohl vom hinteren Burggarten aus, also aus etwas weiterer Ferne, zwischen der verwunschenen alten Kastanie und der herrlichen Rotbuche zur Rechten und dem Graben und der Burgwand zur Linken hindurch. Schau einmal an einem dunstigen Herbstmorgen da hinüber! Stell dich unter eine der ehrwürdigen alten Eichen oder Rüstern - wer kennt diese Veteranen, die schönsten Bäume weit und breit in Alsdorf? - und beobachte die feingliedrige Silhouette der Kirche! Es ist erstaunlich, was für ein überraschend hübsches Bild sich da ergibt. Und da behaupten doch Leute, es gäbe in unserer Bergbaustadt nichts zu entdecken!“ (HENNIG, 1962)

 

Rotbraune Eichhörnchen turnen durch die Baumkronen, und die Luft ist erfüllt vom Vogelgezwitscher. Blau-, Kohl- und Weidenmeise sind hier eben so häufig anzutreffen wie Buchfink und Grünling oder Zilpzalp und Zaunkönig. Die Rufe von Hohl-, Ringel- und Türkentaube kann man hier auf kleinem Raum miteinander vergleichen. Schleiereule und Steinkauz gehören zu den selteneren Brutvögeln. Auch Durchzügler suchen die Grünanlage auf. Hier gehört z.B. der Trauerschnäpper zu den beobachteten Raritäten.

 

In den Jahren von 1963 bis 1984 hat es in den Baumriesen des Burggartens eine Saatkrähen-Kolonie gegeben. Heute sind nur noch die Dohlen im alten Gemäuer als brütende Rabenvögel vertreten.

 

 

 

- Schlosspark Ottenfeld

 

Zu den Sehenswürdigkeiten von Alsdorf zählt das 1878 erbaute Schloss Ottenfeld, das auch heute noch bewohnt wird und an der Stelle eines bereits 1420 urkundlich erwähnten Gutshofes steht. Interessant in unserem Zusammenhang ist, daß das ausgedehnte Sumpfgebiet zwischen der Ofdener (heute: Kellersberger) Mühle und Herzogenrath-Afden Mitte des 19. Jahrhunderts noch den Namen „Ofdenfält“ getragen hat.

 

In den Gemäuern des Schlosses hat sich 1966 bis 1977 eine Dohlenkolonie befunden. 1959 hat es in einem der zugehörigen Wirtschaftsgebäude eine Schleiereulenbrut gegeben. Obwohl sich dieser seltenere Nachtjäger in der Folgezeit noch mehrfach hat blicken lassen, ist es nie zu einer Wiederholung gekommen. Dauerbrüter sind aber immerhin Turmfalke und Waldkauz. Auch der Steinkauz ist hier zu Gast. Er kommt aus den Restbeständen der benachbarten Streuobstwiesen, wo der NABU Niströhren installiert hat.

 

Der vom Broichbach durchflossene Schlosspark gilt überhaupt als hervorragendes Vogelschutzgebiet. Dafür sorgt vor allem die ungeheure Vielfalt an alten Nadel- und Laubbäumen. Bunt-, Grün- und Kleinspecht zimmern ihre Höhlen, andere Vögel wie Kleiber, Gartenbaumläufer, verschiedene Meisenarten und die Hohltaube sind Nutznießer und Nachfolgemieter.

 

An jagdbarem Wild gibt es im Park Rehe, Fasane und Stockenten. Wildkaninchen wechseln aus der benachbarten Feldflur über. Meist nur nachts lässt sich der Igel sehen, während das Hermelin durchaus auch tagsüber jagt. Nicht zu übersehen sind die rotbraunen Eichhörnchen, wenn sie durch das Geäst der hohen Bäume klettern und springen. Eine Besonderheit stellt auch der Schlossweiher dar, der zur Blütezeit der Weißen Seerose zusätzlichen Reiz erhält. Mächtige Kastanienbäume und eine Traueresche spiegeln sich im Wasser, auf dem verschiedene Entenarten neben Zwergtaucher, Bläß- und Teichralle ihre Kreise ziehen. Die Wasserralle tut da schon etwas heimlicher. Knäk-, Krick-, Löffel- und Mandarinenten sind aber aus nächster Nähe zu beobachten. Mit etwas Glück sieht man den Eisvogel auf seiner Warte, auf einem über das Wasser hängenden Zweig. Häufig stehen Graureiher aus der nahen Brutkolonie im Teich und lauern den zahlreichen Fischen auf. Sehr selten finden sich hier auch andere Vögel ein, die mehr oder weniger an das Wasser gebunden sind. Zu den außer-gewöhnlichen Beobachtungen zählen: Flußuferläufer, Grünschenkel, Waldwasserläufer, Wasseramsel und der schon fast legendäre Weißstorch. Dieser hat es sich mitten im Winter, im Februar 1991 einfallen lassen, dem Schlosspark einen Besuch abzustatten. Angereist ist er aus dem hessischen Neu-Anspach. Im dortigen Freilandmuseum ist er jedenfalls als Jungtier freifliegender Eltern beringt worden, wie der Vogelschützer Karl Gluth herausgefunden hat. Der „Storch im Schnee“ ist lange Zeit die Attraktion im benachbarten Tierpark gewesen, zu dem er der Nahrung wegen täglich überwechselte. Geschlafen hat er aber im Schlosspark, - Adebar hat eben Stil! Da wir gerade bei den selteneren Vögeln sind, hier noch weitere Raritäten: Baumfalke (1985), Feldschwirl (1981), Grauwürger (1971, 1974), Pirol (1961), Wachtel (1977) und Wespenbussard (1955).

 

Zur Laichzeit im zeitigen Frühjahr finden sich Erdkröten aus den nahen Waldgebieten ein. Immer wieder kommen dabei Hunderte auf den Straßen zu Tode. Auch den Geburtshelferkröten kann man später hier begegnen. Besonders interessant sind die Männchen mit den um die Hinterbeine gewickelten Laichschnüren. Die Wasserfrösche schließlich verbringen das ganze Jahr in Teichnähe, fallen aber in den Monaten Mai und Juni besonders auf, wenn die männlichen Tiere mit ihren mächtigen Schallblasen ihr nächtliches Konzert veranstalten.

 

An schwülwarmen Sommerabenden kann man hier noch die Glühwürmchen erleben. Grüngoldene Funken tanzen durch die Luft und auch im Gras und aus den Sträuchern blitzt es hervor. In der Regel handelt es sich um den Kleinen Leuchtkäfer, dessen flügellosen Weibchen von unten her ihre Paarungsbereitschaft signalisieren und die fliegenden Männchen anlocken.

 

 

 

- Grünkreuz Ofden

 

Das Grünkreuz Ofden ist von Anfang an bei der Errichtung der Bergbau-Trabantensiedlung Neu-Ofden in den 50er Jahren mit eingeplant worden. Diese Grünanlage erstreckt sich von der Theodor-Seipp-Straße bis zum Schleibacher Weg. Ungefähr in der Mitte befinden sich beiderseits die Eingrünungsbereiche am Katholischem Kindergarten St. Barbara und an der Ehemaligen Hauptschule, weswegen man von einem Grünkreuz spricht. Unter den Kronen der etwa 20 verschiedenen Wald- und Parkbaumarten befinden sich ausgedehnte Rasenflächen. Der Anlage möchte man etwas Auflockerung durch Einstreuung von Gebüschzonen wünschen, wie dies in der benachbarten Tageserholungsanlage geschehen ist. Immerhin wird der Rasen seit Beginn der 90er Jahre nicht mehr so intensiv gepflegt, so daß sich hier bereits Wildblumen wie das Wiesen-Schaumkraut und Ehrenpreisarten angesiedelt haben.

 

Als Brutvögel finden wir in den hohen Bäumen die Ringeltaube und den Buchfink. Die von den Siedlern aufgehangenen Nistkästen sind überwiegend von Staren angenommen. Als Nahrungsgäste kann man hier neben den allgegenwärtigen Amseln und Singdrosseln des öfteren seltenere Arten wie Grün- und Buntspecht, Gartenbaumläufer, Kleiber und Grauschnäpper beobachten.

 

 

 

- Tageserholungsanlage Broichbachtal

 

Die sogenannte Tageserholungsanlage Broichbachtal ist etwa 60 Hektar groß. Von allen anderen Alsdorfer Grünflächen zusammengenommen wird sie mit insgesamt 76 Hektar nur geringfügig übertroffen (Stand: 1988). Die Idee ist um 1960 gereift. Treibende Kraft ist seinerzeit der damalige Stadtdirektor Dr. Helmut Eckert gewesen. Im April 1974 wird der erste Bauabschnitt des „Freizeitparks Broichtal“ in Angriff genommen. Die Maßnahme ist im Zusammenhang mit dem „Nordrhein-Westfalen-Programm 1975“ zu sehen. Die vom Landschaftsarchitekten Heinz Willi Hallmann geplante Anlage ist 1981 fertiggestellt worden. Im Vorfeld haben Mitglieder des „Deutschen Bund für Vogelschutz (DBV)“ (heute: Naturschutzbund Deutschland, NABU) wesentlich Einfluss auf die Planung nehmen können. So hat man darauf geachtet, daß vermehrt einheimische Nährgehölze gepflanzt worden sind.

 

Auch die sogenannte „Ruhezone“ ist in ihrer Konzeption mit den Naturschützern abgestimmt worden.

 

Die Gruppe Broichbachtal vom Gymnasium der Stadt Alsdorf hat in den ersten Jahren die Betreuung der Ruhezone übernommen und Grundlagenforschung betrieben. Die Pflanzen- und Tiererfassungen sowie Boden- und Wasseruntersuchungen sind in zahlreichen Veröffentlichungen dokumentiert. Seit 1994 hat die Alsdorfer NABU-Ortsgruppe für diesen Teilbereich die Patenschaft übernommen.

 

Bis zu 6.000 Besucher kann man an schönen Wochenenden hier zählen, wobei die Autokennzeichen zeigen, daß man durchaus von weit her anreist. Allerdings bleiben die meisten im engeren Bereich von Tierpark und Weiher, so daß der Druck auf das weitere Broichbachtal nicht so stark ist wie zunächst befürchtet. Hier sind es eher die einheimischen Jogger, Reiter, Fahrradfahrer, Spaziergänger und Wanderer die einen starken Druck auf die freien Landschaftsbereiche ausüben.

 

In unmittelbarer Nachbarschaft von Intensiverholungsbereich und Ruhezone kann man die Auswirkung hoher Besucherzahlen auf die Entwicklung der Natur erkennen. Hat man bisher z.B. in der sogenannten Ruhezone 111 Vogelarten registriert, so sind es für den anderen Bereich nur noch 59 Arten. Dennoch ist die Zahl für das parkähnliche Gelände noch überdurchschnittlich hoch, was vor allem an der geschickten Auswahl einheimischer Nährgehölze liegt.

 

In den 80er und 90er Jahren haben im Freizeitpark zahlreiche Open-Air-Rockkonzerte stattgefunden. An diesen Tagen hat natürlich vor allem die Vogelwelt unter dem Lärm gelitten, wenn auch die Störung nur vorübergehend und sehr kurz gewesen ist. Besser ist es mit Sicherheit, daß diese Großveranstaltungen in letzter Zeit nicht mehr durchgeführt werden.

 

 

 

- Der Alsdorfer Tierpark

 

1965 sind Mitarbeiter des Kreises Aachen sowie Rats- und Verwaltungsvertreter der Gemeinden Alsdorf, Bardenberg, Broichweiden, Herzogenrath und Merkstein zusammen-gekommen, um über Maßnahmen zu beraten, welche nach dem Erholungsgebiet im Wurmtal nun auch das Broichbachtal erschließen sollten. Ein Ergebnis aus dieser Zusammenkunft ist der Beschluss gewesen, ein „Tiergehege am Alsdorfer Weiher“ zu errichten. Dr. Helmut Eckert ist auch bei dieser Anlage Hauptinitiator gewesen. Bereits im April 1967 wird der Tierpark offiziell eröffnet.

 

Auf dem Ententeich des Alsdorfer Tierparks ist eine Vielzahl einheimischer, aber auch eher exotischer Enten angesiedelt. Sie sind allesamt durch Stutzen der Schwingen flugunfähig gemacht. Die Schulen in der Nachbarschaft (Grundschule, Realschule und Gymnasium) nutzen dieses Angebot, um z.B. vor Ort den Unterschied zwischen Tauch- und Schwimmenten erarbeiten zu lassen. Bemerkenswert ist auch, daß die Mandarinenten, von der Stammpopulation im Tierpark ausgehend, das Broichbachtal zwischen Herzogenrath und den Mariadorfer Angelteichen als Brutgebiet erobert haben. Bruten in Hohltauben- und Entenkästen sind nicht selten. Umgekehrt finden sich immer wieder Wildenten im Tierpark ein, so etwa, um im Winter das bessere Nahrungsangebot zu nutzen. Interessant ist auch der Zuflug zur Zeit der Treibjagden, wenn oft hunderte Enten hier einfallen. An freifliegenden Enten hat man bisher erfasst: Brautente, Knäkente, Kolbenente, Krickente, Löffelente, Mandarinente, Pfeifente, Schnatterente, Spießente, Stockente und Tafelente. Einige von ihnen sind sogar Brutvögel im Park. Hinzu gesellen sich Bläß- und Teichrallen, die hier, wie im gesamten Broichbachtal, ihr Brutrevier haben. Erwähnenswert sind auch noch Gast- bzw. Zugvögel wie Bläßgans, Flußuferläufer, Grünschenkel, Höckerschwan, Kanadagans, Lachmöwe, Nilgans, Sturmmöwe, Waldschnepfe, Weißstorch und Zwergtaucher. Aus ihren benachbarten Brutrevieren stellen sich Eisvogel und Graureiher regelmäßig ein.

 

In den 90er Jahren gibt es heftige Kritik seitens des Tierschutzvereins am Feuerwerk beim Europafest, das in der Nähe des Tierparks abgebrannt wird. Unterstützt wird er von den Naturschutzverbänden BUND und NABU. Die Stadt, der Kreis Aachen und die Bezirksregierung führen mit den Tier- und Naturschützern über Jahre hinweg kontroverse Diskussionen. Schließlich verzichtet man ab dem Jahr 2000 auf das Abbrennen des Feuerwerks.

 

 

 

- Die Graureiher-Kolonie

 

Um zur Graureiher-Kolonie zu gelangen müssen wir uns vom Tierpark aus wenige Schritte in das sogenannte „Ofdener Wäldchen“ begeben. Seit 1988 existiert sie hier. Graureiher sind eigentlich schon länger Nahrungs- bzw. Wintergäste im Wurm- und Broichbachtal gewesen. Angelteiche, aber auch private Gartenteiche, die „Ruhezone“ an der Tageserholungsanlage, Gewässer im Bereich der Bergehalden und das nahe Herzogenrather Rückhaltebecken mit ihrem Fischreichtum haben die Tiere angelockt, welche in Kolonien in den Niederlanden zu Hause gewesen sind. Von dort stammt vermutlich auch das Brutpaar, das im Jahre 1988 erstmals im Gebiet zwei Jungvögel durchbringt und damit diese neue Kolonie begründet. Bereits im zweiten Jahr ist der Bruterfolg jedoch bedroht. Anfang April beginnen in unmittelbarer Nähe Baumfällaktionen. Die „Aachener Volkszeitung“ schreibt in ihrer Ausgabe vom 6. April 1989:

 

„ In einer Blitzaktion wurde am Dienstag das Ausdünnen eines Fichtenbestandes im ‘Ofdener Wäldchen’ in der Nähe des Tierparks gestoppt.

 

Dies bestätigte der Technische Beigeordnete Reinhard Meierjohann gestern auf Anfrage. ‘Wir haben dies aus Gründen des Vogelschutzes getan’, begründete er das schnelle Einschreiten des städtischen Umweltamtes.

 

Die Stadtverwaltung sei nicht darüber informiert gewesen, erläuterte Meierjohann weiter, daß genau in diesem Bereich, wo in ihrem Auftrag von der Forstverwaltung der Stadt Würselen trockene Stämme herausgeholt werden sollten, ein Graureiher brütete. Nachdem man von dem Ornithologen Gerhard Moll darüber in Kenntnis gesetzt worden sei, habe man umgehend gehandelt: ‘Das war der falsche Zeitpunkt.’ Die Arbeiten sollen nach Beendigung der Brutzeit fortgesetzt werden.“ (AVZ, 1989)

 

Am 14. April stellt der Naturschutzbund Aachen-Land den Antrag auf Unterschutzstellung des Graureiherbrutgebietes. Im August 1989 wird diese realisiert. Es ist sicherlich auch dieser Maßnahme zu verdanken, daß die Alsdorfer Brutkolonie 1990 bei der Kartierung der Standorte der Graureiherkolonien im Rheinland vertreten ist. (LÖLF, 1991)

 

Seit 1997 pendelt sich die Anzahl der Brutpaare auf etwa fünfzehn ein. Die Zählung anlässlich einer Befliegung des Brutreviers im Jahre 1995 hat eine Zahl von etwa 60 Horsten ergeben. Dies macht deutlich, daß die Wiederbenutzung eines Horstes im nächsten Jahr, wenn überhaupt, eher die Ausnahme ist.

 

 

 

- Aufforstungsbereich Blumenrath

 

Der Namensbestandteil „-rath“ deutet auf einen alten Siedlungsplatz hin, der durch Rodung entstanden ist (vgl. -rad, -rade, -rod, rode, reut, reuth, ried, usw. bei anderen Ortsbezeichnungen). Wenn also in der Nähe der Siedlung in einem ersten Abschnitt im Jahre 1977 eine Aufforstung erfolgt, mutet dies wie späte Wiedergutmachung an. Dies ist jedoch nicht der Fall. Hier geht es letztlich um die Rekultivierung eines Geländes, das durch Auskiesung stark betroffen gewesen ist und z.T. auch als Bauschutt- bzw. Mülldeponie hergehalten hat. Im Klartext heißt das eigentlich: Rekultivierung der Müllkippe Blumenrath. Politisch hat man allerdings das Ganze als „Wohnumfeldverbesserung“ verkauft, vor allem die 1985 erfolgende zweite Aufforstung. Im Frühjahr und Herbst dieses Jahres werden insgesamt 86.000 Bäume gepflanzt. Ein beliebtes Motto im Alsdorf dieser Zeit lautet: „Klotzen nicht Kleckern!“...

 

Das angesprochene Gebiet liegt zwischen Blumenrath und Broicher Siedlung. Im Westen schließt es sich an das Broichbachtal an, im Südosten grenzt es an die B 1 / A 44. Der hier gewonnene Kies ist in den 30er Jahren für Baumaßnahmen in der Begau und im Bereich der Broicher Siedlung verwendet worden. Wegen des Baus der Bundesautobahn A 44 zwischen Begau und Lichtenbusch ist es in den 60er Jahren zu erneuten Auskiesungen gekommen. Der Kies hat hier unterschiedliche Mächtigkeit gehabt. Man kann aber davon ausgehen, daß mindestens 10 Meter stark ausgekiest worden ist. Nach Verfüllung ist im Rahmen der Rekultivierung abschließend eine Lehmschicht aufgebracht worden. Zwecks Bodenverbesserung hat man das Gelände vorübergehend als Grünland landwirtschaftlich genutzt.

 

Das Gelände ist weitgehend eben und liegt zwischen 165 und 180 Meter über NN. In der Mitte verläuft von Norden nach Süden eine sanfte Mulde, in der durch den Deponieverkehr eine starke Bodenverdichtung erfolgt ist, so daß sich eine Reihe z.T. temporärer Gewässer unterschiedlicher Größe entwickelt hat. In ihnen findet die Rote-Liste-Art Kreuzkröte zunächst optimale Laichbedingungen. Diese Amphibien sind vormals durch Verkippungen aus der benachbarten Bauschuttdeponie Blumenrath („Giftmülldeponie“) vertrieben worden, wo sich das größte zusammenhängende Laichgebiet im Nordkreis befunden hat. Leider wächst auch dieses neue Ausweichquartier immer mehr zu, so daß für die Kreuzkrötenpopulation nur noch die Bergehalden als Rückzugsgebiete verbleiben. Mit Schuld sind die Forstmaßnahmen im Umfeld.

 

Laut Aufforstungsplan gibt es vier Aufforstungstypen:

 

· Edellaubholz mit Bergahorn, Esche und Kirsche, beigemischt Winterlinde

 

· Eiche, speziell die klimatisch heimische, bedrohte und seltene Stieleiche! zu „dienenden Zwecken“ beigegeben die Winterlinde

 

· Buche, beigemischt 1/6 Eiche

 

· Pappel (Balsampappel mit Erle und Aspe)

 

Ferner sind noch folgende Sonderflächen im Bepflanzungsplan des Gemeindeforstamtes Aachen vorgesehen:

 

· Gesträuch und Randflächen (ca. 5 Meter Breite)

 

· Sträucher unter der Hochspannungsleitung

 

Der Aufforstungsstreifen ist etwa 1 Kilometer lang und hat eine durchschnittliche Breite von 200 Metern (gelegentlich bis zu 300 Metern). Ein Problembereich befindet sich, wo sich zwei im Abstand von 25 Metern parallel verlaufende Hochspannungsleitungen befinden. Hier bleibt ein Streifen von etwa 40 Meter Breite frei von hochwüchsigen Bäumen. Die Leitungen werden, wenn überhaupt, nur mit Sträuchern unterpflanzt.

 

In einem Teilbereich nahe der B 1 treten 1999 erstmals floristische Raritäten auf. Es sind dies zahlreiche Exemplare der Bienen-Ragwurz (Ophrys apiflora). Diese einheimische Orchidee ahmt im Aussehen der Blüten und im „Geruch“, der ihnen entströmt, Insektenweibchen nach. Männchen fliegen sie an und übertragen beim Begattungsversuch Pollen.

 

 

 

- Südpark in Mariadorf

 

Der Mariadorfer Südpark ist etwas mehr als 2 Hektar groß. Auf dieser Fläche stockt ein Rotbuchenbestand, der über 200 Jahre alt ist und von der Zusammensetzung her in etwa den Buchenwäldern entspricht, wie sie für die Jülicher Börde auf Lößböden typisch wären. Bergahorn, Esche, Stieleiche und Vogelbeere sind beigemischt, im Unterwuchs findet man Schneeball, Hasel, Stechpalme und Weißdorn. Dieser „Wald“ ist einzigartig für Alsdorf. Er stellt den östlichsten Rest des ehemals ausgedehnten „Hoenger Bosch“ dar, welcher nahezu ganz für die Anlage großer Teile der Siedlungen Blumenrath und Mariadorf geopfert worden ist. Der Hoengener Wald wiederum ist einst ein Teil des Probsteier Waldes gewesen.

 

Der alte Baumbestand ermöglicht es vielen Spechten, ihre Höhlungen zu zimmern. Davon profitieren wiederum Folgenutzer wie Hohltaube, Stein- und Waldkauz und diverse Meisenarten. Zu nennen wäre an dieser Stelle auch der Kleiber, der eigentlich „Kleber“ heißt, weil er mit Lehm die Höhlenöffnung solange zuschmiert, bis nur noch ein Schlupfloch für ihn übrig bleibt.

 

Anfang Mai hallen regelmäßig die Kuckuckrufe durch den Park, und aufmerksame Mariadorfer wissen, daß nun endlich der Frühling da ist. Bald legen die Weibchen ihre Eier in fremde Nester, wie es sich für echte Brutschmarotzer gehört. Bevorzugter Wirtsvogel ist, wie fast überall im Alsdorfer Raum, die hier brütende Heckenbraunelle.

 

Als weitere typische Parkvögel sind, meist auch brütend, vertreten: Gartenbaumläufer, Buchfink, Mönchs- und Gartengrasmücke, Garten- und Hausrotschwanz, die allgegenwärtige Schwarzdrossel, besser bekannt als Amsel, und ihre fast genauso häufige Verwandte, die Singdrossel.

 

Neben den schon erwähnten Nachtgreifen jagen in den Weiten des Parkes über Tag Habicht, Mäusebussard, Sperber und Turmfalke. Raben- und Saatkrähen sind als Übernachtungsgäste, oft auch in großer Zahl, hier anzutreffen. Die Dohlen sind etwas seltener geworden als zu jener Zeit, da sie noch in der Evangelischen Kirche gebrütet haben.

 

 

 

 

 

Die Friedhöfe

 

 

 

Die Alsdorfer Friedhöfe beanspruchen eine Gesamtfläche von etwa 25 Hektar (Stand: 1988). Hier sollen der Kellersberger Friedhof und der Nordfriedhof wegen ihrer Bedeutung für die heimische Tierwelt herausgestellt werden. Sie stellen vor allem für die Vogelwelt wichtige Rückzugsgebiete dar.

 

 

 

- Kellersberger Friedhof

 

Dieser Friedhof bietet wegen seiner Lage und Strukturierung vielen Vogelarten einen optimalen Lebensraum. Auch zahlreiche Nahrungsgäste und Durchzügler hat man hier schon beobachtet. Zusätzliche Brutvögel sind hier durch eine gemeinsame Nistkastenaktion von NABU und Stadt Alsdorf angesiedelt.

 

 

 

- Nordfriedhof

 

Unmittelbar nach seiner Fertigstellung werden hier allein 144 der 271 Bergleute beerdigt, die am 21. Oktober 1930 bei dem Grubenunglück auf Anna 2 umgekommen sind. Wäre hier kein Friedhof, so könnte man von Lage und Bewuchs her von einem Feldgehölz sprechen. Auch wegen des Altbaumbestandes hat man ihn in das Landschaftsschutzgebiet aufgenommen, das durch den Landschaftsplan „Merkstein -Alsdorf-Baesweiler“ besonderen Schutz genießt. Sieht man die Artenlisten für diesen Bereich durch, so hat der Nordfriedhof durchaus auch die Funktion eines Feldgehölzes. Vögel und Kleinsäuger finden hier Unterschlupf, ziehen ihre Jungen groß. Eichhörnchen, Fledermäuse, Feld- und Spitzmäuse und auch Steinmarder sind hier anzutreffen. In der Avifauna reicht das Spektrum von typischen Park- und Waldvögeln bis hin zu Bewohnern der freien Feldflur. Unter den Brutvögeln sind Mistel- und Wacholderdrossel sowie Steinkauz und Waldohreule besonders hervorzuheben. Mit Hilfe von Nistkästen hat der Naturschutzbund eine regelrechte Kolonie von Feldsperlingen angesiedelt, welche in der freien Landschaft kaum noch Bruthöhlen finden und daher im Bestand drastisch zurückgegangen sind. Insgesamt hat man bisher 74 Vogelarten festgestellt (Stand: 1998). Für einige Aufregung unter den Ornithologen hat im Mai 1995 ein Sonnenvogel gesorgt; die „Chinesische Nachtigall“ hat wohl als Volierenflüchtling dem Nordfriedhof einen Besuch abgestattet.

 

 

 

 

 

Naturnahe Schulgelände

 

 

 

Zwischen 1958 und 1961 wird an der Theodor-Seipp-Straße bei der eben erst entstandenen Siedlung Ofden das neue Gymnasium gebaut.

 

Die Realschule auf der gegenüberliegenden Straßenseite kommt im Jahre 1966 dazu. Baubeginn ist hier 1962 gewesen.

 

Beide Schulbereiche erhalten zunächst das für die 60er und auch noch 70er Jahre typische Architektengrün: ausgedehnte Rasenflächen, Cotoneaster-Bodendecker und -Sträucher und den beliebten Essigbaum. Hinzu kommen zahlreiche exotische Ziersträucher wie Mahonie, Flieder, Forsythie und Goldregen und vereinzelt einheimische Gehölze (Hänge-Birke, Berg-Ahorn, Lärche).

 

Im Jahre 1977 trägt der Biologielehrer Wolfgang Voigt dem Kleinen Schulausschuss der Stadt Alsdorf die Idee für eine Schulgartenanlage im Innenhofbereich des Gymnasiums vor. Die städtischen Abgeordneten signalisieren Zustimmung, und ab 1978 geht es in die Planungsphase. Ab Frühjahr 1979 beginnt die Umgestaltung dieses Teils des Schulgeländes.

 

Am Anfang hat der Schulgarten tatsächlich Beete gehabt. Hierfür sind Rasenflächen abgestochen und, nach Bodenverbesserungsmaßnahmen, Pflanzungen bzw. Aussaaten durchgeführt worden. Mit der Zeit hat sich aber, auch unter planerischer Mitwirkung der Schüler, eine naturnahe Gestaltung durchgesetzt, durch welche die starre Gliederung mehr und mehr aufgelöst worden ist. Das bedeutet, daß es zunehmend um die ökologische Aufwertung des Schulgeländes geht. In den 80er Jahren befindet sich der Bereich längere Zeit in einer Art Schwebezustand: Es gibt einerseits eine Extensivzone mit ökologischen Schwerpunkten wie Teich und Tümpel, Höhlungen mit Farnecke, Waldbereich mit einheimischen Bäumen, Sträuchern und Stauden, Sand-Kies-Sukzessionsfläche und Blockhalde, Wildblumen- und Feuchtwiese sowie Stein- und Totholzhaufen. Andererseits wäre der „Bauerngarten“ als Intensivzone zu nennen mit dem Schwerpunkt Pflege. Hier sind auch der Grillbereich, die Kräuterspirale und die Kompostanlage integriert. Auch die Pflanzungen im Brunnenhof gehören zu den pflegeintensiveren Zonen.

 

Die deutliche Aufwertung des Schulgeländes zeigt sich bereits in der Vielfalt der Wirbeltierfauna. Man hat bisher folgende Säuger nachweisen können: Zwergfledermaus, Igel, Hermelin, Mauswiesel, Gartenspitzmaus, Zwerg- und Hausmaus, Maulwurf, Wildkaninchen und Eichhörnchen. Einzige vorkommende Reptilienart ist die Blindschleiche, während bisher immerhin fünf Amphibienarten festgestellt worden sind. In den Gewässern laichen regelmäßig Erdkröte, Gras- und Wasserfrosch sowie der Teichmolch ab. Seit 1989 wird gelegentlich sogar der Bergmolch - vermutlich nur als Nahrungsgast - beobachtet. Insgesamt hat man bisher 21 Brutvogelarten registriert, darunter Bachstelze, Türken- und Ringeltaube, Grauschnäpper, Hänfling, Sumpfmeise und, wenn die Osterferien günstig liegen und daher Störungen in der Nähe des Teichgeländes ausbleiben, die Stockente. Als besondere Durchzügler oder Gastvögel sind beobachtet worden: Bergfink, Schwanzmeise, Buntspecht, Kleiber, Gartenbaumläufer, Hohltaube, Raben- und Saatkrähe, Sperber, Turmfalke und Krickente.

 

Die zur Verfügung stehende Fläche am Gymnasium ist begrenzt, so daß schließlich die Erfüllung von einem Wunsch der aktiven Schüler-Lehrer-Gruppe nicht mehr möglich ist: die Anlage einer Obstwiese vor Ort. Man bringt sich daher im Jahre 1990 in die Erstplanung der IV. Alsdorfer Naturschutztage ein, in deren Rahmen im darauffolgenden Jahr die Neuanlage einer Streuobstwiese in Alt-Ofden durchgeführt wird.

 

Die Betreuung des naturnahen Teils des Schulgeländes durch die von Wolfgang Voigt geleitete Schülergruppe erfolgt bis in das Jahr 1999 hinein.

 

Außerdem ist in diesem Zusammenhang auf eine Obstbaumpflanzung an der benachbarten Realschule hinzuweisen.

© Wolfgang Voigt 2001