Wolfgang Voigt

 

Bergehalden im Aachener Revier (2019 überarbeitet) -

 

eine Dokumentation zu „Lebensräumen aus zweiter Hand“

 

 

„Für die einen sind sie schlichtweg riesige Abfallhaufen, die anderen aber schwärmen von ‘interessanten landschaftlichen Merkzeichen’, von Öko-Nischen und Rückzugsgebieten für die bedrohte Natur: die Bergehalden.“ (BERTHOLD STRAUCH, AVZ vom 22.2.1985)  

 

 

 

Kompetenz in Sachen Bergehalden

 

Der Deutsche Bund für Vogelschutz, heute Naturschutzbund Deutschland, hat schon vor etwa 50 Jahren die Bedeutung der Bergehalden im Aachener Revier als Lebensraum aus zweiter Hand für Pflanzen und Tiere erkannt. So hat der bekannte Ornithologe Gerhard Moll bereits am 10.11.1970 im Alsdorfer Casino in einem Vortrag auf die seltenen Tierarten der “menschenleeren” Halden hingewiesen. Dies geschah zunächst auf der Basis seiner Tagebuchaufzeichnungen seit den 1950er Jahren, aber in der Folgezeit vor allem durch gezielte Untersuchungen und Arten-Erfassungen von aktiven Fachleuten innerhalb des Naturschutzverbands. DBV bzw. NABU haben daraufhin in weiteren Vorträgen und auf Exkursionen sowie bei Radiosendungen und Podiumsdiskussionen die ökologische Bedeutung der Bergbaurelikte hervorgehoben. Nicht zu vergessen: Diese Öffentlichkeitsarbeit erfolgte anfangs zu einer Zeit, als in der allgemeinen Meinung die Halden als störende Schandflecken in der Landschaft angesehen wurden, die es entweder zu beseitigen oder möglichst schnell zu begrünen galt. Was damals vielleicht noch verständlich war, kann man mit den heutigen ökologischen Kenntnissen eigentlich nicht mehr nachvollziehen.

 

 

 

Ökofaktorenvielfalt bedingt Artenvielfalt

 

Bekanntlich hat die Bezeichnung Bergehalde nichts mit dem Begriff “Berg” zu tun, obwohl sich die Halden des Aachener Raumes durchaus bis zu einer beträchtlichen Höhe aus der sonst recht ebenen Bördenlandschaft erheben. Zugrunde liegt vielmehr der Bergmannsbegriff “die Berge”, worunter man im Prinzip alles Material versteht, das untertage zum Bau von Stollen und Schächten entfernt bzw. zwecks Kohlegewinnung von dieser getrennt werden muss. Im Vergleich zum Ruhrgebiet sind im Aachener Revier die Halden von stattlicher Größe, weil hier der Bergeanteil der Kohle höher liegt, aber auch, weil man viel mächtigere Gebirgsschichten durchfahren muss und zudem die Flöze nicht so dicht aufeinanderfolgen.

 

Das Haldenmaterial enthält die unterschiedlichsten Mineralien, weil hier auf engstem Raum Aushub aus verschiedenen Tiefen aufgehaldet worden ist. Meist ist die Berghalde auch gut wasserdurchlässig. Dadurch sind der Haldenkörper und seine Oberfläche in der Regel extrem trocken, wohingegen sich am Haldenfuß das Wasser staut. Dort sind daher häufig künstlich angelegte Teiche zu finden, - wohl vor allem, um das ursprünglich belastete Wasser aufzufangen. Weil das Bergematerial dunkel ist, heizt es sich vor allem an den nach Süden exponierten Steilhängen sehr stark auf. Temperaturen von 60 Grad Celsius sind keine Seltenheit. Die Wärmeenergie wird nachts nur zögernd abgegeben, so dass auch an sonst kalten Tagen auf Halden die bodennahe Luftschicht eher temperiert ist. Auch im Jahresverlauf haben wir an der unteren Temperaturgrenze keine Extremwerte zu erwarten. So ist es insgesamt nicht verwunderlich, dass eine ganze Reihe wärmeliebender Arten nur hier auf den Halden des Aachener Raumes ihre nördlichste Verbreitung hat. Die Bodenbildung geht nur sehr langsam vor sich. Abgestorbenes Pflanzenmaterial der Pionierarten verrottet zwar, aber es wird im Hangbereich entweder weggeweht oder fortgespült. Meist sammelt es sich dann in Senken und Erosionsrinnen, von wo aus die weitere Besiedlung mit höheren Pflanzen einsetzt. So bestimmen lange Zeit offene, unbewachsene Flächen das Haldenbild. Auf der Nordseite kommt die sukzessive Ausbreitung der Pflanzenwelt in der Regel schneller voran. Dass die Natur auch auf diesen Halden eine Sukzession bis hin zur Klimax schafft - wenn man ihr nur Zeit lässt -, beweist der Alsdorfer Jaspersberg mit seinem urwaldähnlichen Bewuchs.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass durch die Vielfalt sowohl der Bodenfaktoren als auch anderer Bedingungen wie Relief, Exposition und Mikroklima die Halden für sich jeweils etwas Einzigartiges darstellen, - das heißt: keine Halde wie die andere ist. Entsprechend differenziert können daher Flora und Fauna sein. Dies allein ergäbe eine Schutzwürdigkeit, auch wenn keine seltenen Arten hier siedeln würden. Sie sind aber vorhanden, was einen besonders rücksichtsvollen Umgang mit den Halden erfordert. Eine Überplanung nach Freizeitaspekten oder gar zwecks Bebauung ist daher strikt abzulehnen.

 

 

 

Die Halden im Einzelnen

 

In der Folge werden elf Halden im Raum Aachen ausführlich bearbeitet. Dabei werden die Besonderheiten jeder einzelnen herausgestellt. Zu beachten ist, dass zwei von ihnen Kommunalgrenzen überschreiten, und zwar die Bergehalden Anna in Alsdorf/Herzogenrath und Emil Mayrisch in Baesweiler/Aldenhoven, wobei letztere sogar auf dem Gebiet zweier Kreise liegt, nämlich Aachen und Düren.

 

 

 

Bergehalde Anna (Noppenberg)

 

Die Berghalde Anna liegt zwischen den Alsdorfer Stadtteilen Busch und Zopp, ist mit knapp 100 Metern die höchste in Alsdorf und erstreckt sich entlang der Prämienstraße bis auf Herzogenrather Stadtgebiet auf einer Grundfläche von etwa 33 Hektar.

 

Die Halde wurde im Jahr 1999 aus der Bergaufsicht entlassen.

 

Der Tagesbetrieb Anna und damit auch die Bergehalde sind am 31. Dezember 1983 stillgelegt worden. Bis dahin hat man die Halde mittels Spülbetrieb aufgefahren. Hierbei ist das Feinkorn in die Hohlräume der abgelagerten groben Berge eingespült worden, wobei man durch dieses Verfahren zwei Ziele verfolgt hat: ausreichende Standsicherheit bei vorgegebener Form sowie Verminderung der Staubentwicklung. 17 Millionen Tonnen Bergematerial lagern im Bereich der Bergehalde Anna, die gelegentlich auch Halde Noppenberg genannt wird. Die beim Spülbetrieb anfallenden Wässer hat man zusammen mit Niederschlägen als Filtrat in Teichen am Haldenfuß aufgefangen.

 

Seit Stilllegung werden diese Stehgewässer nur noch mit Niederschlagsfiltrat gespeist. Viele dieser Gewässer sind bereits gut bewachsen, wobei Froschlöffel, Schilfrohr und Rohrkolben dominieren. Gleich sechs Amphibienarten haben daher auch im Bereich der Halde ihre Laichplätze. Es sind dies Bergmolch, Gras- und Wasserfrosch, Geburtshelfer-, Erd- und Kreuzkröte. Letztere kann bekanntlich als Charakterart der Alsdorfer Halden angesehen werden. Sie bevorzugt zum Ablaichen vegetationsfreie Kleinstgewässer, die nur episodisch Wasser führen. Tagsüber halten sich die Tiere unter größeren Gesteinsbrocken, aber auch unter den überall noch vorhandenen Betonresten oder Metallbehältern aus früheren Bergbauzeiten auf. Seit Verfüllung der zahlreichen Kies- und Sandgruben im Broichbachtal mit Hausmüll, Bauschutt und problematischem Sondermüll (“Vanforsch-Fässer”) und dem damit verbundenen Verlust des größten Laichgebietes im Raum Aachen, haben die Berghalden eine enorme Bedeutung für diese bedrohte Art gewonnen. Es gibt mittlerweile auch auf einigen Halden (zum Beispiel auf den Halden Gouley und Carl Alexander) Maßnahmen der Biologischen Station in der StädteRegion Aachen, mit künstlich angelegten Laichgewässern der Kreuzkröte bei der Wiederansiedlung zu helfen.

 

An den Gewässern kann man auch so manche Vogelbeobachtung machen. Vom Brutplatz in der Ruhezone hinter dem Alsdorfer Weiher kommt gelegentlich der Eisvogel zum Fischen. Er jagt hier nach Kleinfischen, die sich aus von Enten eingeschlepptem Laich entwickelt haben. Graureiher aus der Alsdorfer Kolonie sind ebenfalls sehr häufig zu beobachten. Man kann auf den wenigen Schlammflächen Bekassine, Bruchwasserläufer, Flussuferläufer, Rotschenkel und Waldwasserläufer zur Zugzeit entdecken, während der Flussregenpfeifer sogar als Brutvogel nachgewiesen ist. Weiter sind Rohrammer sowie Sumpf- und Teichrohrsänger zu nennen, die im Röhricht und im Weidengebüsch gute Deckung finden. Auf dem freien Wasser sieht man Stock- und Krickente sowie Bläss- und Teichralle, allesamt Brutvögel im Gebiet.

 

Interessant ist auch die sogenannte Ruderalflora. Arten aus dieser Gruppe hat man nach dem Zweiten Weltkrieg “Trümmerpflanzen” genannt, weil sie sich seinerzeit verstärkt im Bereich zerstörter Wohnbereiche ausgebreitet haben. Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass sie zu den sogenannten “Unkräutern” gerechnet und überall massiv bekämpft werden. Ursprünglich sind sie von Natur aus zum Beispiel in den Schutthalden am Fuße von Felsmassiven oder etwa im Überschwemmungsbereich größerer Ströme zu Hause.

 

Aus der langen Pflanzenliste sollen hier nur einige Arten exemplarisch genannt werden: Klette, Beifuß, Gänsefuß, Rainfarn, Wegwarte, Kratzdistel, Wilde Möhre, Natternkopf, Wilde Karde, Weidenröschen, Berufskraut, Kamille, Steinklee, Nachtkerze, Goldrute, Gänsedistel und Königskerze. Manche sind sogar mit verschiedenen Arten vertreten. Zu ihnen gesellen sich auch seltenere Pflanzen aus sogenannten Trockenrasengesellschaften. (Wie bereits erwähnt, ist das Bergematerial stellenweise extrem trocken. Zudem entstehen an den südexponierten Hängen hohe Boden- und Lufttemperaturwerte.) In diese Gruppe gehören zum Beispiel Gemeines Katzenpfötchen, Rundblättrige Glockenblume, Golddistel, Echtes Tausendgüldenkraut, Gemeine Hundszunge und verschiedene Malvenarten.

 

Der ganzjährige Blütenreichtum lockt natürlich ein Heer von Insekten an. Zu den hier vorkommenden Schmetterlingsarten zählen Kleiner Fuchs, Spanische Flagge, Trauermantel, Schwalbenschwanz und C-Falter. Auf vegetationsfreien Flächen findet man mit etwas Geduld sogar die Blauflügelige Ödlandschrecke, ein Insekt aus dem Mittelmeerraum, das auf den Bergehalden des ehemaligen Aachener Steinkohlenreviers das zusagende Mikroklima vorfindet. Zusammen mit ihrer Verwandten, der Sichelschrecke, ist sie auf “Anna” noch recht häufig anzutreffen.

 

So vielfältig die einzelnen Sukzessionsstadien der Vegetation gerade auf dieser Halde sind, so bunt gemischt ist auch die Vogelwelt, die hier einen Lebensraum aus Menschenhand gefunden hat. Neben den bereits behandelten Arten, die mehr oder weniger auf Gewässerbereiche angewiesen sind, gibt es vor allem Bodenbrüter und Vogelarten der Gebüsche und Jungwälder. Es können hier unmöglich alle 87 bisher beobachteten Vertreter der Avifauna aufgelistet werden, jedoch sollen einige die breite Palette verdeutlichen: Ringdrossel, Buchfink, Baum- und Wiesenpieper, Dorn- und Klappergrasmücke, Feld- und Heidelerche, Goldammer, Hänfling, Kiebitz, Rebhuhn und Steinschmätzer, ferner Hohl-, Ringel- und Turteltaube. Von den Greifen hat man bisher folgende Arten beobachtet: Baum-, Turm- und Wanderfalke, Mäuse- und Wespenbussard, Rot- und Schwarzmilan sowie Habicht und Sperber. Von den Rabenvögeln sind Elster, Raben- und Saatkrähe vertreten.

 

Mit den Fasanen ist es wie mit den Rehen: Beide sind wohl nicht ursprünglich auf dem Kohlenberg zu finden gewesen. Der nächtliche Wechsel des Rehwildes über die Prämienstraße in Richtung Broichbachtal belegt oft genug, dass die Halde ihm weniger zusagt. Fasane sind wohl auch nur durch Maisfutterstellen dauerhaft an dieses Gelände zu binden. Die Ansiedlung der beiden Arten zu Zwecken der Jagd ist in der Vergangenheit seitens des EBV immer wieder bestritten worden.

 

Erwähnenswert ist die mehrmalige Entdeckung von frischen Dachsspuren in feuchtem Boden nach Regenfällen. Nach der Konzentration auf zwei Bereiche könnte man gleich zwei Baue auf dem weitläufigen Haldengelände vermuten.

 

Von der Prämienstraße aus bietet sich dem Betrachter in den 90er Jahren ein eigenartiges Bild: Von der Deckfläche herab ziehen sich in den Erosionsrinnen grüne Bänder bis hin zum Haldenfuß. Dies ist besonders auffällig, weil sich ansonsten dieser Hangbereich einheitlich blauschwarz, das heißt nackt präsentiert. Geht man dem Phänomen aus der Nähe auf die Spur, so lösen sich die grünen Bereiche in lauter Tomaten-, Kürbis- und Zucchini-Pflanzen auf. Wie kommen diese hierhin? Ganz einfach: Der EBV hat versucht, die Halde mit Hilfe von Klärschlamm zu rekultivieren. Auf die Kuppe aufgetragen, ist dieser bald hinabgespült worden. Die Samen der Kulturpflanzen haben die Behandlung der Abwässer in der Kläranlage unbeschadet überstanden und sind gekeimt. Dank des mitgelieferten Nährstoffvorrates haben sie sich zu prachtvollen Gewächsen entwickelt. Natürlich darf dieses Beispiel nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Rekultivierungsversuche fehlgeschlagen sind.

 

Die Natur ist, wie der Jaspersberg beweist, immer noch der bessere Landschaftsgärtner. Die bisher entwickelte Natur ist von selbst gekommen und hat sich außerordentlich vielfältig entwickelt. Bereits im Jahre 1995 hat der Naturschutzbund Deutschland daher an die Bezirksregierung Köln einen Antrag auf Unterschutzstellung gerichtet.

 

 

 

Bergehalde Anna 1

 

Anna 1 ist Alsdorfs älteste Halde und fällt wegen ihrer Lage an der B 57 jedem Autofahrer auf, der von Würselen kommend nach Alsdorf fährt. Mit einer Fläche von 41 Hektar übertrifft sie sogar noch die Halde Anna. Sie ist seit etwa 1850 aufgefahren worden, beinhaltet 15 Millionen Tonnen Berge, die bis zu einer Höhe von 75 Metern aufgehaldet ist, und brennt seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bis zum heutigen Tage in Teilbereichen.

 

Hoher Kohleanteil und enormer Druck haben solche wandernden Schwelnester entstehen lassen. Mit Sicherheit hat auch das Aufbringen glühender Schlacke erheblich hierzu beigetragen. Sie kam aus dem Kesselhaus, in dem man Kohle auf einem Wanderrost verbrannt hat, und wurde mit Loren - gezogen von Elektroloks (mit Hilfe einer Oberleitung) - über ein Viadukt an der Prämienstraße auf die Halde gebracht. Die Schienen waren jeweils am westlichen Ende so verlegt, dass sie über das Haldenende ragten und man die Loren in die Haldenböschung entleeren konnte. Der Inhalt rollte dann frei den Hang hinunter und verlängerte den Haldenkörper in westlicher Richtung. Ebenso verfuhr man beim Aufbringen des anderen Materials.

 

Die Schwelbrände verlagerten sich mit den Jahren immer mehr in den nordöstlichen Teil. Verbrannter Tonschiefer zeigt eine rötliche Färbung. Diese “Rote Asche” ist jahrelang als Bedeckung für Spielplätze und Wege verkauft worden. Auch zur Verbundstein-Herstellung wurde dieses Material verwendet.

 

Das Löschen der noch verbliebenen Schwelnester mit Wasser verbietet sich durch die dadurch drohende Explosionsgefahr. So hat Anna 1 ein besonderes Mikroklima, was sich besonders im Winter zeigt: Sie ist bereits wieder schneefrei, wenn das Umfeld noch in Weiß gehüllt ist. Relativ häufig fallen Greifvögel auf, die über oder am Rande der Halde - oft in großer Höhe - ihre Kreise ziehen. Sie nutzen hier die Thermik aus. Über dem dunklen Bergematerial erhitzt sich die Luft und steigt an den Hängen bis in große Höhen auf. Die Greife lassen sich in diesem Aufwind treiben und schrauben sich so bequem in den Himmel. Andererseits ist das unwegsame Gelände, das so gut wie nie von Menschen aufgesucht wird, ein optimales Jagdrevier. Dabei spielt unter anderem der Reichtum an Kleinsäugern eine ganz wesentliche Rolle. Unter den Greifen sind so seltene Arten wie Baumfalke und Wespenbussard. Seit dem Jahre 2001 jagt hier sogar der nach Alsdorf zurückgekehrte Uhu. In diesem Zeitraum wurden auch erfolgreiche Bruten des nachtaktiven Vogels registriert.

 

Neben den Greifvögeln gibt es im Bereich von “Anna 1” noch weitere Flugkünstler. Es sind dies Mauersegler sowie Mehl- und Rauchschwalben, die oft in großer Zahl über der Halde ihre Jagdflüge veranstalten. Sie kommen von ihren Brutgebieten hauptsächlich der zahlreichen Insekten wegen hierher. Wo keine Insektizide angewendet werden und Herbizide ihre Nahrungsgrundlagen nicht gefährden, ist eine vielfältige Insektenfauna entwickelt.

 

Vor allem die heiße Südseite bietet vielen Insekten- und Spinnenarten mediterraner Herkunft optimalen Lebensraum. Aus diesen Gliedertiergruppen sind vor allem auch die Wespenspinne und die Ödlandschrecke hervorzuheben. Wie auf den meisten Halden des Aachener Raumes kommt hier als seltenster Schmetterling die Spanische Flagge vor, die europaweit besonders geschützt ist.  

 

Die Halde Anna 1 ist 1989 wegen eines Kreuzkrötenbiotops in die Schlagzeilen gekommen. Damals hat die Stadt Alsdorf eine Verlegung der Prämienstraße entlang dem Haldenfuß geplant, um die Spitzkehre im Bereich des alten Bahnübergangs an der Bahnhofstraße zu entschärfen. BUND und DBV haben sich für das Laichgebiet engagiert und schließlich 1990 bei der Bezirksregierung erreicht, dass das Projekt nicht realisiert worden ist. Zudem ist der Bereich im Landschaftsplan I seit 1991 besonders geschützt. Dennoch hat es in den 90er Jahren wiederholt Bemühungen auf der politischen Ebene gegeben, diesen Schutz durch neue Planungen zu unterlaufen. Immer wieder müssen Naturschützer auch feststellen, dass man versucht, den Biotop durch Aufreißen oder Aufgraben zu zerstören. Dies ist auch in einem Gutachten vom Landschaftsplanungsbüro Inge Schulz (Würselen) von 1997 dokumentiert.

 

Ende 1999 schreckte der EBV die Öffentlichkeit mit Plänen auf, die brennende Halde zu einem Großteil abzutragen, um Raum für Wohnbebauung und Straßenbau zu schaffen. Dies stieß vor allem bei Naturschutzverbänden auf heftige Kritik. Der breite Widerstand quer durch Alsdorfer Vereine und auch Parteien führte schließlich zur Aufgabe der Planung seitens des EBV. Allerdings gab es um die Jahreswende 2001/2002 erneut Gerüchte, dass der EBV die Halde um zunächst 30 Meter kappen will - diesmal aus Sicherheitsgründen!

 

Der NABU Aachen-Land fordert nach wie vor Betretungsverbot und natürliche Entwicklung für die komplette Halde.

 

 

 

Bergehalde Anna 2

 

Anna 2 befindet sich auf der anderen Seite der Prämienstraße. Von der Halde Anna ist sie durch die Alte Aachener Straße getrennt.

 

Vermutlich wurde mit der Beschickung der Halde um 1870 begonnen, als man die Förderung aus den Schächten von Anna II aufgenommen hat. Dies erfolgte über Bandstraßen. Bis zum Jahre 1956 wurde Bergematerial aufgehaldet. Anschließend an den ursprünglichen Betrieb wurde vor Ort noch Schlacke der Kokerei und des Kraftwerks verkippt.

 

Die Masse des hier lagernden Materials beläuft sich auf immerhin 6 Millionen Tonnen, die auf einer Grundfläche von 26 Hektar lagern und eine Höhe von bis zu etwa 70 Metern erreichen. Wie bei Anna 1 handelt es sich um eine ältere Halde, bei der sich noch beträchtliche Kohlemengen unter den Bergen befinden, weil früher der Wirkungsgrad der Kohlenwäschen niedriger gewesen ist. So ist auch hier unter hohem Druck die Kohle durch Selbstentzündung in Brand geraten. Dadurch finden sich noch Schwelnester, wenn auch in wesentlich geringerem Ausmaß als auf Anna 1.

 

Lange Zeit ist der EBV der Auffassung gewesen, man könne die Halden Anna 1 und 2 erst rekultivieren, wenn sie ausgeglüht wären. In einer EBV-Veröffentlichung aus dem Jahre 1965 heißt es: “Ist eine Halde jedoch ausgeglüht - man erkennt das an der roten Farbe ihres Materials - so ist der Boden völlig tot und steril und eine Bepflanzung erst recht ausgeschlossen.” Die Natur selbst hat beides widerlegt: Eine Begrünung ist spontan durch zahlreiche Pionierpflanzen erfolgt, wenn auch nicht gerade durch jene Pflanzen, welche die für die Rekultivierung zuständige Forstverwaltung des EBV sich vorstellte. Von Anfang an hat man nämlich an Bäume wie Akazien, Birken, Erlen, Roteichen, Pappeln und Lärchen gedacht. Gewaltige Anstrengungen hat man unternommen, um das Ziel, nämlich bewaldete Halden, zu erreichen.

 

Nun, um es kurz zu machen: es ist bei diesen Versuchen geblieben. Zumindest hat man die Maßnahmen nicht an anderer Stelle wiederholt. Über Jahre hinweg hat man von einem Plateau aus über Polderanlagen giftiges Kokereiwasser versickern lassen, wodurch der Haldenkörper stark verunreinigt worden ist. Die Sickerteiche sind inzwischen abgedichtet und verfüllt, weil Schadstoff-Frachten in Richtung Grundwasser zu driften drohten.

 

Wie groß die Kontamination der Halde ist, müsste abgeklärt werden. Ansonsten könnte sich der NABU Aachen-Land - auch wegen der Nähe des ehemaligen Anna-Geländes - eine Einbindung in ein zu entwickelndes Rundweg-Konzept um die Anna-Halden vorstellen. Vorhandene Wege aus der Zeit der Beschickung könnten zum Erreichen eines Aussichtspunktes benutzt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Halden Anna und Anna 1 sowie die Mariadorfer Halden komplett dem Naturschutz erhalten bleiben.

 

 

 

Jaspersberg

 

Beim Jaspersberg handelt es sich um die alte Bergehalde “Maria I” der Grube Maria. Der Beginn der Aufschüttung hat im Jahre 1890 gelegen. Bis in das Jahr 1926 hat man insgesamt 1,9 Millionen Kubikmeter Berge hierhin verbracht. Dies ergibt eine Halde in Hügelform, welche etwa 10 Hektar überdeckt und sich 30 Meter über Flur erhebt. Er ist diejenige Aufschüttung, welche am längsten der natürlichen Entwicklung überlassen worden ist. So hat sich sukzessiv ein dichter Waldbestand herausbilden können. Von der Grundfläche, die der Jaspersberg einnimmt, sind rund 8 Hektar bewaldet. Seit den 1930er Jahren stehen hier Robinien, die vermutlich angepflanzt worden sind. Bei HANS HÖPPNER und HANS PREUSS findet man in deren “Flora des Westfälisch-Rheinischen Industriegebietes” von 1926 zu dieser Baumart den Hinweis: “Im Gebiet besonders an Bahndämmen und auf Zechenhalden häufig angepflanzt und verwildert.” Ob gepflanzt oder wild gewachsen, - in jedem Fall können sie als Pionierbaumarten gelten, welche dem Boden Luftstickstoff in einer für andere Pflanzen verwertbaren Form zugeführt haben. Durch den jährlichen Laubfall ist inzwischen eine nähstoffreichere Humusschicht entstanden.

 

Der Jaspersberg ist 1965 (nach Angaben des EBV aus dem Jahre 1990) aus der Bergaufsicht entlassen worden, andere Quellen sprechen von 1945. Zu Beginn der 80er Jahre hat es dann wiederum Pläne gegeben, die Halde abzutragen, um die Kohleanteile des Bergematerials zu nutzen. (Man schätzt den Anteil auf 30 bis 50 %. Ein Journalist nennt eine konkrete Zahl: geschätzt etwa 250.000 Tonnen.) Die Bochumer Firma CORTIX hat 1981 beim Staatlichen Forstamt Monschau die sogenannte “Waldumwandlungs-Genehmigung” beantragt. Weil der Jaspersberg in der Waldfunktionskarte Nordrhein-Westfalens als “Waldfläche mit Klima- und Immissionsschutzfunktion” eingetragen ist, hat die zuständige Forstbehörde die Genehmigung verweigert. Die Bürgerinitiative “Rettet den Jaspersberg”, der Deutsche Bund für Vogelschutz und die Alsdorfer Grünen, die für den Erhalt gekämpft haben, sehen sich durch diese Entscheidung bestätigt. Als auch die Höhere Forstbehörde im Widerspruchsverfahren keine Genehmigung erteilt, kommt es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Das Verwaltungsgericht in Aachen soll die Frage klären, ob es sich bei dem Wald auf der Halde überhaupt um “Wald” handelt. Tatsächlich entscheidet die dritte Kammer dieses Gerichtes im November 1983, dass eine Halde eine Mobilie sei und somit keinen Wald im rechtlichen Sinne tragen könne. Erst in höherer Instanz, beim Oberverwaltungsgericht in Münster, wird im Einspruchsverfahren letztlich entschieden, dass es sich bei dem Wald auf dem Jaspersberg um “Wald im Sinne des Bundeswaldgesetzes” handelt.

 

1986 wird dann der Jaspersberg von der Bezirksregierung Köln per Ordnungsbehördlicher Verordnung auf fünf Jahre einstweilig als “Geschützter Landschaftsbestandteil” sichergestellt. In der Verfügung heißt es unter anderem: “Die Schutzausweisung erfolgt zur Sicherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes (Bergehalde aus schieferartigem Material mit Bestand an Erlen, Eschen, Robinien und Birken sowie Ruderalfluren und trockenrasen-ähnlichen Bereichen; Vorkommen von 242 Pflanzenarten und 46 Brutvogelarten); ... zur Belebung und Gliederung des Landschaftsbildes (Rückzugsbereich innerhalb einer ansonsten weitgehend ausgeräumten Agrar- und Industrielandschaft).” Diese Maßnahme wird später durch den Landschaftsplan II ersetzt. Heute gilt die Halde als “ruhend, endgestaltet, rekultiviert”.

 

Der Jaspersberg ist ein schönes Beispiel dafür, dass eine nackte Geröllfläche sich über natürliche Sukzession mit der Zeit ohne Zutun des Menschen selbst begrünt. Die sogenannte Klimax, der Endpunkt dieser Entwicklung, ist bei uns in Mitteleuropa in der Regel ein Buchenmischwald. Leider sind viele Leute zu ungeduldig, denn diese natürliche Folge von Pionier- und Zwischenstadien braucht ihre Zeit. Vor allem Politiker können in den weitaus meisten Fällen nicht warten, weil die Wiederwahl viel früher ansteht, und da muss man ja Erfolge aufweisen. Also wird mit enormen Material-, das heißt auch Geldaufwand nach dem Motto “Klotzen, nicht Kleckern” der Natur nachgeholfen, nicht immer zu deren Vorteil...

 

Auf dem Jaspersberg sind folgende “Landschaftsgärtner” am Werk gewesen: Der Wind hat viele Samen angeweht. So sind unter anderen zwei Birkenarten, viele Weidenarten, darunter die Purpurweide, und eine Vielzahl von Korbblütlern auf die Halde gekommen. Auf diesem Wege hat sich hier auch die Waldrebe angesiedelt, die zusammen mit anderen Kletterpflanzen Teile des Jaspersberges mittlerweile nahezu undurchdringbar macht. Zu diesen zählt das Efeu, dass nicht nur bis in die Wipfel der Robinien wächst, sondern sich auch flächig auf dem Boden ausbreitet. Drosseln dürften die Früchte hierhin verschleppt haben. Auch Sträucher wie Holunder und Wildrosen haben sich mit Sicherheit dank zahlreicher anderer fruchtfressender Vögel hier entwickelt. Eichelhäher dürften vor Jahrzehnten Eicheln aus dem Broichbachtal angeschleppt haben. Dort ist nämlich das nächste natürliche Vorkommen von Stieleichen. Auch der Mensch hat natürlich bewusst oder unbewusst für die Ausbreitung von Pflanzen gesorgt. Zum einen sind etwa durch Abkippen von Gartenabfällen zum Beispiel Tomate, Weinrebe, Schneebeere und andere Nutz- und Zierpflanzen am Haldenfuß zu finden. Zum anderen gibt es zahlreiche Hinweise auf Pflanzenarten, die Menschen mit Kleidung und Schuhsohlen eingeschleppt haben. Hierzu gehören Nachtkerzen und Glockenblumen sowie weitere Pflanzen mit sogenannten Klettfrüchten. Einige der genannten Arten werden im Laufe der weiteren Sukzession wieder verschwinden. Es wird sich in jedem Fall aber eine Flora entwickeln und zwar kostenlos, die an die besonderen Gegebenheiten dieser Halde angepasst ist. Wenn man schon meint, Halden rekultivieren zu müssen, dann sollte man sich am Jaspersberg ein Beispiel nehmen und die - oft stümperhaften - Begrünungsversuche unterlassen.

 

Die Notwendigkeit der kompletten dauerhaften Unterschutzstellung dieses mittlerweile ökologisch hochrangigen Sekundärbiotops steht für den NABU Aachen-Land außer Zweifel. Jede Überlegung zur Nutzung durch den Menschen - welcher Art auch immer - muss unterbleiben! Nicht zu vergessen: Die sogenannten Wohlfahrtsfunktionen für die Mariadorfer Bevölkerung bleiben nur so erhalten.

 

 

 

Bergehalde Maria Hauptschacht

 

Im Jahre 1872 ist die Halde Maria Hauptschacht das erste Mal beschickt worden, 1962 das letzte Mal (endgültige Stilllegung der Grube Maria am 30. September!).

 

Die als Tafelberg angelegte Bergehalde bedeckt eine Grundfläche von etwa 25 Hektar und erhebt sich 224 Meter über NN, das sind 60 Meter über Flur. Das Schüttvolumen zum Zeitpunkt der letzten Aufschüttung im Jahre 1963 (nach Angaben des EBV von 1990) beträgt 4,97 Millionen Kubikmeter.

 

Zwischen 1973 und 1983 hat eine Rückgewinnung der Kohlebestandteile stattgefunden. In dieser Zeit ist die Halde im südlichen Teil beträchtlichen Veränderungen unterworfen gewesen, was sich später in einer spärlicheren Vegetation äußert, wobei natürlich auch mikroklimatische Bedingungen eine Rolle spielen. Ein Überbleibsel der Rückgewinnung lagert im nordwestlichen Bereich des Haldenkörpers in Form von 250.000 Tonnen getrocknetem Schlamm. Außerdem ist eine 1,5 Hektar große Betonplatte der Halde im Südwesten vorgelagert. Auf ihr haben die Rückgewinnungsanlagen gestanden.

 

Der Haldenfuß im Norden und Nordosten ist von den Rückgewinnungsmaßnahmen verschont geblieben und hat seinen vorherigen Entwicklungsstand behalten. Mittlerweile ist dieser Bereich “geschützter Landschaftsbestandteil”.

 

Auf die Halde ist einige Zeit lang Erdaushub verbracht worden (Lössboden aus den Baumaßnahmen rund um die Ansiedlung des Weltkonzerns Mitsubishi im Industriepark Hoengen), obwohl eine im Oktober 1987 von der Stadt Alsdorf in Auftrag gegebene Rekultivierungsstudie eines Landschaftsarchitektenbüros lediglich die Aufbringung von Sand- Kies-Material als sinnvoll ansah.

 

Die Halde ist etwa zur Hälfte entweder vegetationsfrei oder nur gering mit sogenannten Pionierpflanzen bewachsen. Die größten freien Flächen, auf denen das schwarze Bergematerial zutage tritt, liegen im Nordwesten und Osten und sind 2 bzw. 3 Hektar groß. Der nordwestliche Teil grenzt an Schlämmteiche, die temporär Wasser führen. Der östliche Bereich weist bei einer steilen Hangneigung diverse Erosionsrinnen und Abrissstellen auf. Auf etwa 6 Hektar Gesamtfläche kommen die Bereiche, die sich in Zwischenstadien der Sukzession befinden. Es sind dies gering mit Pionierpflanzen bewachsene Flächen und - je nach Wasserführung - Stauden-Kräuter-Bereiche oder Trockenrasen. Sand-Quendelkraut, Rundblättrige Glockenblume, Flockenblume, Acker- und Lanzett-Kratzdistel, Wilde Möhre, Schafschwingel, Kleines Habichtskraut, Hornklee und Bibernelle charakterisieren die Zone des Trockenrasens. Zum Teil ist sie durch aufkommende Gehölze geprägt. Hier sind Feldahorn, Sanddorn, Weißdorn, Brombeere und Zitterpappel zu nennen.

 

Seit dem Frühjahr 1984 hat man die Halde teilweise mit Gehölzen bestockt. Nahezu 40 Prozent der Fläche ist rekultiviert, wobei Gehölz- Mischbestände den nordost- bis nordwestexponierten Haldenfuß dominieren. Hier findet man hauptsächlich Stieleiche, Feld- und Spitzahorn, Schwarzerle, Salweide, Ein- und Zweigriffligen Weißdorn, Schwarzen Holunder, Hundsrose, Kratzbeere, Stachelbeere, Sommerflieder und Waldrebe. Der westliche Steilhang trägt eine Pappel-Monokultur, in der im Jahre 2002 umfangreiche Einschläge erfolgt sind.

 

Kartierungen durch BUND und DBV (NABU) Alsdorf brachten eine vielfältige Flora und Fauna zutage. Weil sich die Pflanzenarten weitgehend mit denen anderer Halden decken, sollen hier nur die wichtigsten Tierarten erwähnt werden: Blauflügelige Ödlandschrecke, Langfühler-Dornschrecke, Zweipunkt-Dornschrecke, Steppen-Grashüpfer, C-Falter, Schwalbenschwanz, Mauerfuchs, Spanische Flagge, Kleine Pechlibelle, Sand-Laufkäfer, Kreuzkröte und Waldeidechse, Habicht, Sperber, Rebhuhn, Bekassine und Waldwasserläufer. Auch wenn auf den ersten Blick diese Halde wenig schützenswert erscheint, so sind doch große Teile wegen dem Vorkommen solcher Arten von großer ökologischer Bedeutung.

 

Die Bergehalde Maria Hauptschacht war Bestandteil verschiedenster Überlegungen rund um das Konzept “Alsdorfer Grünkreuz”. Nach Auffassung des NABU Aachen-Land sollte hier die Chance genutzt werden, in eine ansonsten kostenintensive Realisierung dieses Vorhabens eine Null-Tarif-Variante einzubeziehen, indem man die Halde sich selbst überlässt und größtenteils aus menschlicher Nutzung nimmt. Im Vor- und Umfeld konnte man sich beim Naturschutzverband durchaus attraktive Freizeiteinrichtungen vorstellen, wenn denn jegliche Störung des angesprochenen empfindlichen Bereichs ausgeschlossen wird. Hierzu zählt auch der bedeutende Kreuzkrötenbiotop am südlichen Haldenfuß, nahe vorerwähnter Betonplatte.

 

 

 

Bergehalde Carl Alexander

 

Es handelt sich um die Bergehalde des Steinkohle-Bergwerks in Baesweiler, die sich entlang der L 225 in Richtung Boscheln (Übach-Palenberg) erstreckt. Sie ist von 1921 bis 1975 beschickt worden. Sie bedeckte ursprünglich eine Fläche von 68 Hektar und hat letztlich eine Höhe von etwa 65 Metern über Flur erreicht.

 

Als Brutvögel sind unter anderen registriert: Baumpieper, Bläßralle, Dorngrasmücke, Feldlerche, Gebirgsstelze, Gelbspötter, Goldammer, Kiebitz, Nachtigall, Steinschmätzer, Sumpfrohrsänger, Teichralle, Turteltaube und Wiesenpieper. An einem Teich befindet sich das einzige Brutgebiet des Zwergtauchers im Nordkreis Aachen. Als seltene Durchzügler oder Gäste sind notiert worden: Brandgans, Großer Brachvogel, Kolbenente, Löffelente, Schwarzstorch, Spießente, Temminckstrandläufer, Wachtelkönig, Wanderfalke, Wasserralle, Wespenbussard, Ziegenmelker und Zwergschnepfe. Auf dem Gelände der Bergehalde finden Erdkröte, Geburtshelferkröte, Grasfrosch, Kreuzkröte und Wasserfrosch ihre Laichmöglichkeiten. Aus der großen Gruppe der Wirbellosen sollen hier Zebraspinne, Blauflügelige Ödlandschrecke, Spanische Flagge und Schwalbenschwanz genannt werden.

 

Die Flora ist reichhaltig und vor allem auch durch Arten charakterisiert, die anderswo oft vernichtet werden: Große und Kleine Klette (Arctium lappa und minus), Gemeine Eberwurz oder Golddistel (Carlina vulgaris), Echtes Tausendgüldenkraut (Centaurium minus), Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus), Echte Hundszunge (Cynoglossum officinale), Stechapfel (Datura stramonium), Wilde Karde (Dipsacus silvester), Natternkopf (Echium vulgare), Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum), Dürrwurz (Inula conyza), drei Malven-Arten (Malva alcea, M. moschata und M.neglecta), Gewöhnlicher Pastinak (Pastinaca sativa), Gelber Wau und Färber-Wau (Reseda lutea, Reseda luteola), Gemeiner Beinwell (Symphytum officinale) und Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum). Joachim Schmitz (1997) erwähnt besonders die Schlammteiche am Nordfuß der Halde mit Vorkommen von Chara fragilis, Myriophyllum spicatum und Potamogeton natans.

 

Im NABU-Haldenkonzept von 2001 heißt es unter anderem:  

 

„Auf der Bergehalde befindliche Einrichtungen, welche der illegalen Jagd dienen, wie zum Beispiel Maisfelder und Futterstellen, sind zu entfernen. Der ursprüngliche nackte Haldenboden ist wiederherzustellen. Noch bestehende Gewässer sind in jedem Fall zu erhalten. Die Halde ist begehrtes Objekt in der Planung der Stadt Baesweiler. Der NABU Aachen-Land kann sich höchstens mit einer sehr extensiven Nutzung im Sinne von “Natur erleben” einverstanden erklären, sofern diesbezügliche Konzeptionen mit dem haupt- und ehrenamtlichen Naturschutz abgestimmt werden. Wir bringen in Erinnerung, dass von der Bezirksregierung Köln bereitgestellte Mittel für die Renaturierung der Halde in Höhe von seinerzeit 800.000 DM nicht abgerufen worden sind; jetzt sollten für andere Zwecke auch keine Fördermittel mehr zur Verfügung gestellt werden. Wir kritisieren auch an dieser Stelle die - vom Kreis Aachen abgesegneten - Verkippungsmaßnahmen im Bereich der Feuchtbiotope, die wegen der Amphibienvorkommen und des einzigen Brutreviers des Zwergtauchers im Nordkreis aus Naturschutzsicht einen hohen Rang einnehmen.“

 

Im Jahr 2006 wurde das Betreten offiziell erlaubt. Bis zum Frühjahr 2008 hat man die Halde und das Gelände am Haldenfuß zum Carl-Alexander-Park (CAP) umgestaltet: Ein Rundweg und ein Aufstieg zum Gipfelplateau wurden angelegt, ebenso einige Freizeitmöglichkeiten am Haldenfuß. Ein weiterer Zugangsweg als Steg in mehreren Metern Höhe über dem Boden, eine Aussichtsplattform und ein gastronomischer Betrieb sind im Mai 2008 eröffnet worden.

 

Ein unverhältnismäßig großer Teil der insgesamt schützenwerten Bereiche ist der Freizeitnutzung geopfert worden, nicht zuletzt durch die oben angesprochenen Baumaßnahmen. Unter dem falsch verstandenen Motto „Natur erleben“ wurden äußerst empfindliche Teile (zum Beispiel Feuchtgebiete) ökologisch wertlos.

 

Außerdem hat die Anlage des Gewerbegebietes und die Ausweisung des Baugebietes Baesweiler-West zu einer weiteren Isolation des Lebensraumes geführt. Diese zunehmend innerstädtische Verinselung zieht ein Absinken des Wertes der Halde für den Naturhaushalt nach sich. Was übriggeblieben ist, muss unbedingt streng geschützt werden, damit die Halde in der ansonsten ausgeräumten Landschaft ringsum zumindest ihre Bedeutung als Rückzugsgebiet und Trittstein für bedrohte Arten behält.

 

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Biologische Station in der StädteRegion Aachen die von ihr betreute Fläche der Bergehalde Carl Alexander im Jahre 2019 nur noch mit 44 Hektar angibt.  

 

 

 

Bergehalde Emil Mayrisch

 

Die Bergehalde Emil Mayrisch wurde von 1953 bis 1992 beschickt. Sie wird meist Siersdorf zugerechnet, da sie aber nördlich der Zeche aufgeschüttet worden ist, liegt sie näher an Freialdenhoven und Setterich. Damit befindet sie sich auf dem Gebiet der Städte Baesweiler und Aldenhoven. Die Gemeindegrenze ist gleichzeitig die Grenze zwischen den Kreisen Aachen und Düren.

 

Die Halde bedeckt eine Grundfläche von 65 Hektar mit einem Schüttvolumen von 65 Millionen Kubikmetern. So erreicht der Tafelberg eine Höhe von ursprünglich 100 Meter über Flur. Bemerkenswert ist, dass man nach dem Durchschlag der Verbindungsstrecke von Anna (Alsdorf) nach Emil Mayrisch (Siersdorf) in 860 Metern Teufe über eine Länge von 6 Kilometern das gesamte Bergematerial von Anna auf der Halde Emil Mayrisch ablagerte. Damit begann man im Jahre 1984.

 

Durch die Aufschüttungsmethode (kombiniertes Absetzer- und Spülverfahren) hat sich eine stark strukturierte Oberfläche mit Spalten und Abflussrinnen gebildet.

 

Wegen Größe, Lage und Form der Halde gibt es hier ein spezifisches Kleinklima. Der Wind kommt hauptsächlich aus Süd-West, wodurch sich die Windgeschwindigkeit an der Süd- bzw. Nordflanke der Halde erhöht und es zu Wirbelbildung und Turbulenzen kommt.

 

Die Oberflächenwässer werden zügig zum Haldenfuß abgeleitet, wo sich Flachwasserzonen ausgebildet haben, die ökologisch besonders wertvoll sind.

 

In der ebenen ausgeräumten Agrarlandschaft der Jülicher Börde hat dieser herausragende Berg eine besondere Bedeutung, - auch als Trittstein und Leitlinie für Zugvögel. Die Einmaligkeit dieser Landschaftsform kann in ihrer Bedeutung für den Kreis Düren nicht oft genug betont werden!

 

Die E- bzw. NE-Flanke der Halde sind weitgehend aufgeforstet. Auf den nach NW und SW exponierten Hängen haben sich Pionierpflanzen angesiedelt, die aber durchaus lückig wachsen. Zu ihnen gehören das aus Südafrika eingeschleppte Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens) und das allgegenwärtige Kanadische Berufskraut (Erigeron canadenis). Auch an dieser Stelle muss betont werden, dass die sogenannte Ruderalflora für viele Tierarten, vor allem die Insekten, von großer Bedeutung sind.

 

Absetzteiche, Gräben und Fahrspuren ergänzen das Spektrum der Haldenlandschaft um den Aspekt von - oft temporären - Feuchtgebieten. Ihre Bedeutung für zahllose wassergebundene Tierarten wird an anderer Stelle behandelt. Hier soll eine Besonderheit von Emil Mayrisch herausgestellt werden: der relativ hohe Anteil an Halophyten oder zumindest salztoleranten Arten in diesen Bereichen. Allen voran ist die Salz-Aster (Aster tripolium) zu nennen, die lange nur von den Meeresküsten oder einigen salzhaltigen Stellen im Binnenland (Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Ostwestfalen sowie Hessen) her bekannt waren. Auf Emil Mayrisch besiedelt sie in Massenbeständen den gesamten Drainagegraben, der sich von SW aus im Uhrzeigersinn um die Halde herum bis zum Sammelteich an der Ostecke zieht. Mit ihr vergesellschaftet sind für unseren Raum eher seltene Arten wie Graugrüner und Roter Gänsefuß (Chenopodium glaucum und Chenopodium rubrum), Frosch-Binse (Juncus ranarius) und eine Varietät der Spieß-Melde (Atriplex prostrata var. salina).

 

Der NABU Aachen-Land hat in seinem Haldenkonzept (2001) gefordert, die Halde Emil Mayrisch mit ihren Sukzessionsflächen, Gewässern und Feuchtgebieten, insbesondere aber den Offenlandstrukturen, Steinflächen und Waldbeständen, unter Naturschutz zu stellen.

 

In der Zwischenzeit hat die „wilde“ Freizeitnutzung – etwa durch Gleitschirmflieger, Mountainbiker und Angler – zugenommen.

 

In einem Bericht der AACHENER ZEITUNG („Bergehalde bleibt unter Landschaftsschutz “, 17. Oktober 2012) heißt es:

 

„Noch immer unterliegt die Halde dem Bergrecht und ist daher eine Betriebsfläche, für die gilt „Betreten verboten”, sagt Hans-Willi Knoben von der EBV GmbH. „Einige Jährchen” würden noch für den Abschlussbetriebsplan benötigt. Es könne sich unter Umständen um sieben oder neun Jahre handeln. Denn um die Schlammteiche zu verfüllen, setze man nur Bodenmasse aus der Region ein. Wunsch der Landschaftsbehörde sei es nach derzeitiger Planung, dass sich die Halde als Sukzessionsfläche selbst überlassen werde und unter „unbedingten Landschaftsschutz” gestellt werde. Es werde also nicht wie im Falle der RWE-Außenkippe Sophienhöhe aktiv aufgeforstet.

 

Die AACHENER NACHRICHTEN berichten in einem Artikel vom 3. Mai 2018:

 

Es ist absehbar, dass die Abraumhalde der Zeche Emil Mayrisch an der Bundesstraße 56 in Aldenhoven irgendwann kein Sperrgebiet mehr ist. Der Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) hat auf Anfrage unserer Redaktion einen Zeitplan für die Halde mitgeteilt, auf der die Reste aus dem Steinkohleabbau aufgeschüttet worden sind.

 

Laut EBV könnten die Erdarbeiten auf dem Gelände in fünf Jahren abgeschlossen sein. Das erklärte Geschäftsführer Thomas Hofmann.

 

Der EBV hat den Steinkohlebergbau in der 1992 geschlossenen Zeche Emil Mayrisch betrieben und ist jetzt dafür zuständig, alle „Anforderungen des Bundesbodenschutzgesetzes“ zu erfüllen, wie Hofmann erklärte. Konkret muss der EBV dafür sorgen, dass die Halde in Zukunft ein unbedenklicher Berg in der flachen Jülicher Börde ist. Dafür soll der bis 1992 aufgeschüttete Abraum mit einer bewachsenen Bodenschicht überzogen werden.

 

So soll verhindert werden, dass Regenwasser durch das salzhaltige Erdreich sickert und in das Grundwasser gelangt. Noch sind Teile des Areals nicht mit der Schutzschicht überzogen. „Bei gleichbleibendem Verlauf der Arbeiten gehen wir heute davon aus, dass die Arbeiten in circa fünf Jahren abgeschlossen sein können“, erklärte Hofmann.

 

Wenn dieser Prozess dann nach über 30 Jahren Arbeit abgeschlossen ist, findet laut Hofmann eine Dokumentation der Maßnahme statt. Bei positiver Bewertung könne die sogenannte Bergaufsicht beendet werden. Das bedeutet nichts anderes, als dass die in NRW für Bergbaufragen zuständige Bezirksregierung Arnsberg die über die Halde gelegte Sperrung aufhebt.

 

Die Städteregion Aachen und der Kreis Düren — die Halde liegt zwischen Setterich und Freialdenhoven und damit auf dem Gebiet beider Kreise — haben einen ersten Pflock in den Boden getrieben, was eine Folgenutzung angeht. Sie haben das Gelände bereits unter Landschafts- und Naturschutz gestellt.“

 

 

 

Bergehalde Adolf

 

Mit der Aufschüttung der Halde hat man im Jahr 1913 angefangen. Bis 1974 sind auf einer Fläche von etwa 44 Hektar mit Hilfe einer Lorenbahn 1,6 Millionen Kubikmeter Bergematerial in Form eines Kegels aufgehaldet worden. Nach Nordosten besteht eine etwa 720 Meter lange und 480 Meter breite Zunge. Der “Kohlenberg” erhebt sich etwa 100 Meter über Flur. Ab 1972 - dem Jahr, in dem Adolf Teil des Verbundbergwerkes mit der Zeche Anna in Alsdorf wurde und somit die Förderung an diesem Standort endete - ist an der West- und Nordwestseite ein Bereich angelegt worden, auf dem bis zu 30 Meter hoch Bauschutt abgelagert worden ist, während ansonsten die Halde aus karbonischem Gestein sowie Steinkohleresten unterschiedlicher Körnung besteht. Die Flotationsweiher im Norden sind seit geraumer Zeit trockengelegt und zum größten Teil mit Abraum verfüllt. Ansonsten gibt es noch einige Reste von ehemaligen Weiherflächen. Der südliche Weiher wird als Angelteich genutzt. In der Zeit zwischen 1976 und 1980 hat man eine Rekultivierung in Form von Schwarzerlen-Pflanzung und Birken-Ansaat versucht. Die Erlen hat man hauptsächlich im Bereich der Steilhänge verwendet. An der Westseite sind alleine in den Jahren 1979/80 22.450 Schwarzerlen gepflanzt worden.

 

Zur Bepflanzung der Schlämmzonen hat man Erlen, Pappeln, Salweiden und Sanddorn verwendet. Auch Robinien hat man eingebracht. Weitere gepflanzte Gehölze sind Berg-Ahorn, verschiedene Wildrosen-Arten, Ölweide, Stieleiche, Roteiche, Liguster, Hainbuche, Eingriffliger Weißdorn und Bocksdorn. An der nördlichen Flanke besteht die Strauchschicht des Robinien-Bergahorn-Waldes stellenweise fast ausschließlich aus Johannis- und Stachelbeer-Sträuchern.

 

Der zentrale Gipfelbereich und die Flächen der ehemaligen Tagesanlagen sind unbepflanzt geblieben.

 

Die ältesten Anpflanzungen befinden sich entlang der Floeßer Straße in Form von Pappelanpflanzungen, die mittlerweile ein Alter von 40 bis 60 Jahren haben. Eine parkähnliche Verwilderungsfläche mit verschiedenen Laubgehölzen besteht im Nordosten, etwa auf der Höhe der Einmündung der Adolfstraße.

 

Mehrere größere Flächen sind von Strauch- und Baumbewuchs freigeblieben. Dies gilt vor allem für die Kuppe und den Südfuß. Der schwarze Grus heizt sich bei Sonnenschein ab den Mittagsstunden extrem auf. In diesen Bereichen breitet sich der Klebrige Gänsefuß (Chenopodium botrys) aus. Seine ursprüngliche Heimat ist das Mittelmeergebiet. Daneben kommen Bleiches Hornkraut (Cerastium glutinosum), Salzwiesen-Rispengras (auch Bläuliches Rispengras genannt, Poa humilis) und Trespen-Fuchsschwingel (Vulpia bromoides) als botanische Raritäten vor. Beachtenswert ist auch das massive Auftreten von Pastinak (Pastinaca sativa ssp. urens) auf dem ehemaligen Zechengelände und den angrenzenden Ruderalflächen. Echtes Tännelkraut oder Schlangenmaul (Kickxia elatine) und Grüne Borstenhirse (Setaria viridis) sind weitere interessante Ruderalpflanzen solcher Bereiche.

 

Seit Ende der 90er Jahre hat sich die aus dem asiatischen Raum stammende Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum) auf dem Haldengelände ausgebreitet. Um den für Fußgänger möglicherweise gefährlichen Kontakt mit dem Pflanzensaft zu vermeiden, wird sie neben den Wegen durch die Stadt Herzogenrath zurückgeschnitten.

 

In den Jahren 1998 und 1999 übernahm die Stadt Herzogenrath mit finanzieller Unterstützung des Landes und der EU das Gelände vom Eschweiler Bergwerksverein und begann es zu einem sogenannten “Landschaftspark” umzugestalten.

 

Aufgrund der Einbeziehung der Bürger in zwei „Planungswerkstätten“ im Frühjahr 1998 wurde das ursprüngliche Konzept mit mehreren Kunstwerken deutlich verändert. Man erklärte unter anderem den Verzicht auf eine auf der Haldenspitze vorgesehene, ammonitenförmige Skulptur, welche nachts beleuchtet werden sollte.

 

Realisiert wurden zum Beispiel drei Kinderspielanlagen (zwei Spielplätze und eine Skaterbahn), einige schlichte Hinweistafeln, die Sicherung des einzigen noch erhaltenen Zechengebäudes (Fördermaschinenhaus) sowie der Ausbau eines Spazierwegenetzes auf einer Gesamtlänge von etwa 7 Kilometern.

 

Innerhalb dieses Wegenetzes wurde ein brückenartiger Holzbohlenweg im Bereich staunasser Kleingewässer auf einer Länge von etwa 300 Metern errichtet. Er befindet sich auf mittlerer Höhe der westlichen Haldenschulter. In den sich hier in jedem Frühjahr bildenden Gewässern sind Kaulquappen zu beobachten. Wahrscheinlich handelt es sich vorwiegend um Erdkröten. Es soll aber auch Geburtshelferkröten auf der Halde geben. Die Kleingewässer trocknen leider oft schon im Frühsommer aus, so dass befürchtet werden muss, dass die Reproduktion der Amphibien nicht gesichert ist.

 

Wie alle Bergehalden ist auch die Halde Adolf trotz mittlerweile starker Bewaldung für seltene Insektenarten durchaus noch als Lebensraum geeignet. An seltenen Schmetterlingsarten sieht man den Schwalbenschwanz sowie die Spanische Flagge. Auch die Blauflügelige Ödlandschrecke kam noch vor Jahren hier vor; sie braucht bekanntlich warme, offene Flächen.

 

In einem Faltblatt betont man seitens der Stadt Herzogenrath: „Mit der Umgestaltung zum Park wurden gezielt heimische Laubbäume und blühende Gehölze ergänzt, ohne den unverwechselbaren Charakter der Natur zu beeinträchtigen. Das Halden- und Zechengelände ist ein sogenanntes “Sekundär-Biotop”, d.h. von Menschenhand geschaffen und bietet für unsere Klimazone außergewöhnliche Lebensbedingungen. ... Besonders erwähnenswert ist das Vorkommen von ca. 70 verschiedenen Spinnenarten, der blauflügeligen Ödlandschrecke, der Kreuzkröte, des Schwalbenschwanzes, der Nachtigall und der Hundsrose - um nur einige Tier- und Pflanzenarten zu nennen.” Um einem Missverständnis vorzubeugen: hier wurde keine Sekundärbiotop durch Menschenhand geschaffen, sondern aus einem gewaltigen Eingriff in die Landschaft seitens des Menschen hat die Natur mit der Zeit ein Gebiet gemacht, das ökologisch hochrangige Biotop-Qualitäten aufweist. Ob die hier spontan angesiedelten Pflanzen- und Tierarten (zum Teil Rote-Liste-Arten) die intensiven Einwirkungen eines viel besuchten Landschaftsparks überleben werden, bleibt erst noch abzuwarten.

 

Bernhard A. Cüpper macht in seiner Dissertation (2001) hierzu kritische Anmerkungen zum Naherholungsgebiet: „Der zusätzliche Besucherstrom beunruhigt die Tiere. Eine zentrale Forderung des Naturschutzes ist es ja gerade auch, dass es Gebiete gibt, aus denen sich der Mensch zurückzieht und in denen die Tiere nicht durch ständige Anwesenheit der Menschen gestört werden. Bisher bestand in der Bevölkerung eine Scheu, die Halde zu betreten, weil aus alter Zeit noch Verbotsschilder vorhanden sind. Das ist für den Naturschutz ein Plus, das durch die Einrichtung eines Naherholungsparks verloren geht. Man muss den Stördruck durch Spaziergänger auf wenige, schmale Spazierwege kanalisieren, denn es ist für viele Vertebraten bekannt, dass sie sich nach eine Gewöhnungsphase nicht mehr gestört fühlen, wenn dich die Menschen an die festgelegten Wege halten. Die Anlage von Forstwegen, deren Breite mit Bankett oft 5 Meter erreicht, ist in einem solchen sensiblen Gebiet in jedem Fall verfehlt, ebenso wie das offensichtliche Konzept, jede noch so kleine, freie Fläche mit Laubbäumen zu bepflanzen oder durch die Anlage eines ephemeren Gewässers zu bereichern, auch wenn der Standort dieser Art der Rekultivierung nicht gerecht wird. Gerade dies wird zum Aussterben der interessanten, da seltenen und vom Aussterben bedrohten, haldentypischen Arten führen und lässt bezweifeln, dass neben der Nutzung als Naherholungspark auch ein fundiertes naturschutzrelevantes Pflegekonzept seitens der Stadt Herzogenrath, in deren Besitz die Halde überging, existiert.”

 

Der NABU Aachen-Land hat von der Halde umfangreiches Datenmaterial und wird auf dieser Basis die weitere Entwicklung kritisch begleiten.

 

Das Aussichtsplateau mit “Gipfelblick” und “Grenzlandblick” wird nach bisherigen Beobachtungen nicht so angenommen, wie es sich die Planer wohl vorgestellt haben. Wahrscheinlich ist der Aufstieg für viele Besucher zu mühsam. Es stellt sich daher die Frage, ob der Eingriff für diese Erschließung notwendig gewesen ist. Diese Erkenntnis ist auch für weitere Planungen an anderen Orten wichtig.

 

Ob der hohe ökologische Wert der Halde neben der intensiven Nutzung erhalten bleibt, muss abgewartet werden.

 

Auch an dieser Stelle bemängelt der NABU Aachen-Land, dass hier ein kommunales Konzept realisiert worden ist, wo überkommunale Planungen erwünscht wären.

 

 

 

Bergehalde Carolus Magnus

 

Der Betrieb auf der Grube wurde von der Bergrechtlichen Gewerkschaft Carolus-Magnus zwischen dem 1. Januar 1919 und dem 31. Dezember 1962 durchgeführt. Es liegen folgende Zahlen vor: Steinkohle-Förderung 762.082 Tonnen für das Jahr 1951 und 3.200 Beschäftigte für das Jahr 1957. Als Nachfolgenutzungen werden Textilmaschinenbau und Umwelttechnik genannt.

 

 

Auf der Homepage des RHEINISCHE INDUSTRIEKULTUR e.V. findet man folgenden Text zum Betriebsgelände der Grube und zur Halde:

„Das Gelände der Grube sowie auch die Stadt Übach-Palenberg hat sich zwischen den 50 Jahren der Betriebszeit der Zeche und den 40 Jahre seit ihrer Stilllegung stark verändert. Das Gebiet hat heute ein ganz neues Gesicht bekommen. Die Natur versucht ihren Platz wieder zu gewinnen, den ihr die Industrie vor Jahre genommen hat. Die Halde der Anlage wird ein immer wichtiger Bestandteil der ökologisch wertvollen Umwelt in der Stadt. Im Jahr 1987 ist der Michaelis-Rundweg entstanden. Das ist ein zwei Kilometer langes „Wegeband“ um die Halde. Bei gutem Wetter hat man einen schönen Blick von der Halde auf Übach und Palenberg.

Die Stadt Übach - Palenberg sieht im Rahmen ihrer Stadtentwicklung und der EuRegionale 2008 die Inwertsetzung und die multifunktionale Nutzbarmachung der Halde Carolus Magnus als eine zentrale Aufgabe an. Unter dem Namen "Erlebnishalde Carolus Magnus" soll ein vielseitig nutzbarer Ort für Sport, Freizeit und Erholung mit Ausstrahlung auf die gesamte Region entstehen. Der Auftrag wird an „Scape-Landschaftsarchitekten“ gegeben.

Die Halde wird durch drei Umlaufbahnen gegliedert. Durch Rampen werden die Umlaufbahnen miteinander verknüpft. Die Haldentreppe inszeniert den direkten Aufstieg vom Haldenfuß auf das Plateau und verbindet die Haldenkrone mit dem Carolus - Magnus - Centrum. Auf den Schrägen des Haldenkörpers liegen die spektakulären Haldenorte. Sie verbinden die Umlaufbahnen durch ungewöhnliche Bewegungs- und Freizeiträume, wie z.B. Klettergarten, Mountainbike-Cross-Parcour oder Sliding-Montain. Auf dem Plateau soll eine eigenständige Landschaft entstehen, die ihre besondere Qualität durch den außergewöhnlichen Charakter des Ortes und die Sichtbeziehungen in die Umgebung erlangt. Dabei werden drei Orte herausgearbeitet: Die Haldenkrone als zentrale Veranstaltungsfläche, der Beobachtungssteg zum Erleben der sukzessiven Entwicklung des Haldensees und das Haldenobservatorium. Letzteres definiert sich aus Pyramidenkörpern, die durch die Sichtachsen zu den umgebenden Halden zerschnitten werden. Die übrigbleibenden begehbaren Fragmente vermitteln Wissen über die industrielle Vergangenheit der Region und geben Denkanstöße für die zukünftige Entwicklung. Durch eine Lichtinstallation wird die Halde auch nachts erlebbar.“

 

 

 

--Joachim Schmitz (1997) schreibt zu dieser Halde unter anderem: “Das Gelände ist bereits intensiv landschaftsgärtnerisch bearbeitet. Floristisch ist nur noch ein Wassergraben am Südfuß der Halde erwähnenswert. An seinem Ende wird er durch den Betonsockel eines alten Wasserturms aufgestaut. Hier wächst Puccinellia distans im Chenopodietum rubri, das hier durch besonders viele Algen gekennzeichnet ist. ... Außerdem ist noch ein Vorkommen von Schoenoplectus lacustris am genannten Wassergraben erwähnenswert.”

 

Hans-Georg Bommer aus Übach-Palenberg teilt die Auffassung von Joachim Schmitz, dass die Anpflanzungen viel zu weitläufig durchgeführt worden sind. Dies bezieht sich vor allem auf die nach seiner Meinung “beträchtlichen Aufwaldungen am Süd- und Südwest-Hang”. Bedauerlich ist auch der Verlust der sonstigen Feuchtbereiche. So hat der Zwergtaucher bis 2001 an einem Gewässer im Bereich der Deckfläche sein Brutrevier gehabt. Der Teich wurde - wie so oft unter dem Argument “aus Sicherheitsgründen” - vom Eigentümer beseitigt. Der Teichrohrsänger war ebenfalls bis in das Jahr 2001 Brutvogel. Geblieben sind ein beachtliches Singvogel-Spektrum und ein Brutrevier der Rote-Liste-Art Heidelerche. (H.-G. Bommer mündlich)

 

Dank einer Begehung der Halde in den Jahren 1994 und 1999 durch die Botaniker Robert Mohl, Wilfried Moll und Erwin Patzke liegt außerdem eine Pflanzenliste von dieser Halde vor, die im Wesentlichen die auch von den anderen Halden des Aachener Raumes bekannten Arten aufweist.

 

An dieser Stelle sollen einige der Arten genannt werden, die im Nordteil des Aachener Raumes eher selten sind: Gemeiner Odermennig (Agrimonia eupatoria), Tollkirsche (Atropa belladonna), Golddistel (Carlina vulgaris), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Echtes Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), Wilde Karde (Dipsacus sylvestris), Vierkantiges und Zottiges Weidenröschen (Epilobium adnatum und E. hirsutum), Breitblättrige Sumpfwurz (Epipactis helleborine), Dürrwurz (Inula conyza), Spießblättriges Schlangenmaul (Kickxia elatine), Gift-Hahnenfuß (Ranunculus sceleratus), Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea) und Schmalblättriger Rohrkolben (Typha angustifolia).

 

Die Vielfalt der übrigen Pflanzen bedingt eine entsprechend hohe Zahl an Wirbellosen, vor allem Schmetterlingen. Deren zahllosen Nahrungsnetz-Beziehungen wiederum stabilisieren das Ökosystem Halde.

 

Neben diesen punktuellen Erfassungen dürfte Carolus Magnus - wie andere vergleichbare Bereiche auch - noch manche Überraschungen bereithalten. Der NABU Aachen-Land fordert daher eine intensive Erforschung dieser Halde und ist bereit, hierfür auch seine eigenen Fachkräfte einzusetzen.

 

Außerdem fordern wir, dass die Feuchtgebiete wiederhergestellt werden und gegebenenfalls eine Absicherung dieser Bereiche in geeigneter Form erfolgen soll. Süd- und Südwest-Hänge sollen von Bewuchs befreit und der natürlichen Sukzession überlassen werden. Dasselbe ist zumindest für Teile des Kuppenbereichs zu fordern.

 

 

 

Bergehalde Gouley und Kalkhalde Teuterhof

 

Bei der Bergehalde Gouley handelt es sich um eine etwa 17 Hektar große Halde der Grube Gouley im Würselener Stadtteil Morsbach, die 1969 den Betrieb eingestellt hat. Sie ist eine Anschüttung an die Hanglage zum Wurmtal hin. Mit der Aufhaldung hatte man im Jahr 1880 begonnen. Nach 1969 hat man noch ausgebranntes Haldenmaterial abgebaut. Als relativ junge Halde ist sie noch teilweise unbewachsen und deshalb für viele Arten wertvoll. Ihre Lage am östlichen Wurmtalrand macht sie im Vergleich zu den anderen Bergehalden einzigartig. Zum Tal hin ist sie übrigens zum Teil abgetragen und abgeflacht worden.

 

Die Rekultivierung hat eingeschlossen, dass zur Schonung des Wurmtales Haldenmaterial aus dem Sohlenbereich nach oben verfrachtet worden ist. Die erosionsgefährdeten Hänge hat man aufgeforstet. Dabei ist nur die rote Asche mit vegetationsfähigem Material bedeckt worden. Als Pioniergehölze hat man Erlen, Pappeln, Robinie, Birke, Wildbirne und Ahorn angepflanzt. Das Landschaftspflege-Konzept sieht aber vor, die Südhänge wegen der dort vorhandenen Trockenrasen-Bereiche unverändert zu erhalten. Ansonsten ist das Haldensubstrat mit Laub und Holzbruch oberflächenverbessert worden, um für die weitere Entwicklung der Kräuterflur eine Grundlage zu schaffen und eventuell den Artenreichtum zu erhöhen. Die Anlage von Feuchtzonen (drei Bereiche mit maximal 0,80 Meter Muldentiefe) hat einen neuen Landschaftsaspekt in den Haldenkomplex eingebracht.

 

Seit etwa 40 bis 50 Jahren sind große Flächen der natürlichen Sukzession überlassen.

 

An den nach Westen und Süden exponierten Hangbereichen ist - wie erwähnt - eine wertvolle Trockenrasen-Flora entwickelt, während ansonsten eine strukturreiche Waldsukzession eingesetzt hat, wobei dicht wuchernde Waldrebe (Clematis vitalba) urwaldähnlichen Charakter erzeugt (vgl. Jaspersberg!). Auf den Freiflächen findet man unter anderem Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), verschiedene Königskerzen (Verbascum spec.), Tausendgüldenkraut (Centaurium minus) und Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella).

 

In den Trockenrasenflächen und an den Teichen hält sich die Verbuschung mit Birken, Erlen, Robinien und wenig Beerenträgern in Grenzen. Zu den Freiflächen hin sollten Abgrenzungen erstellt werden, da durch Reiten und Rodeln loses Oberflächenmaterial talwärts befördert wird.

 

Soda-Ablagerungen sind noch im Randbereich der Wurmaue außerhalb des Gouley-Bereiches vorhanden und sollten - wenn möglich - ausgeräumt werden. Ob dies auch für bereits bewachsene gelten soll, müsste noch abgeklärt werden.

 

Auf der Halde Gouley kommen Arten vor, die in der aktualisierten Roten Liste gerade auf die Vorwarnliste gesetzt worden sind. Was dies bedeutet, ist dem Fachmann klar. Auch Politiker sollten hier den richtigen Schritt in die Zukunft gehen und diese Halde für die Natur - und damit letztlich auch für den Menschen - sichern. Einige Wanderwege halten wir für möglich.

 

 Heinz-Roger Dohms schreibt in seinem Artikel „Naturschutz soll auf den Halden im Wurmtal Vorfahrt haben“ für die AACHENER ZEITUNG im September 2003:

 

 

 

 „Das Auge des Laien nimmt die beiden Halden kaum war, die in Würselen dereinst zwischen Teuterhof, Wurmtal und Haus Gey aufgeschüttet wurden. Im Unterschied zu vielen anderen Bergehalden der Region erheben sich die Kohlehalde Gouley und die benachbarte Kalkhalde nur unmerklich über ihre Umgebung, zudem haben Flora und Fauna das Gelände über die Jahrzehnte eindrucksvoll erobert. Längst hat sich über schwarzer Kohle und weißem Kalk eine grüne Lunge entwickelt.

 

Doch eben dieses grüne Reservoir ist gefährdet, wie Dr. Eike Lange vom Naturschutzbund (NABU) Kreis Aachen jetzt auf einer kleinen Exkursion erläuterte: Reiter verlassen immer mal wieder ihre angestammten Wege, Spaziergänger ebenfalls, vor allem aber sind es Mountainbike- oder sogar Mofafahrer, die ihre tiefen Spuren allzu häufig – und verbotenerweise – im Boden hinterlassen, bemängelt Lange. Dabei sind die beiden Halden längst als Naturschutzgebiet deklariert, abseits der ausgewiesenen Wege hat der Mensch hier eigentlich nichts zu suchen.“

 

Bei der unmittelbar benachbarten Kalkhalde Teuterhof handelt es sich nicht um ein Bergbaurelikt. Dort lagern vielmehr Rückstände einer ehemaligen Sodafabrik in Würselen (Solvaywerke), die 1929 ihre Produktion eingestellt hat. Trotz Teilabtragungen des kohlensauren Kalks an einigen Stellen im Laufe der Zeit ist noch ein Haldenkörper von etwa drei Hektar Grundfläche geblieben. Die Halde ist weitgehend flach strukturiert, allerdings ragen einige Hügel heraus. Bei diesen sind Steilwandabbrüche bemerkenswert, die bis zu 10 Meter emporragen.

 

In weiten Bereichen ist die Halde nur spärlich bewachsen. Kleinwüchsige Birken, die hier unter den Gehölzen Pionierfunktion haben, tragen dazu bei. Ansonsten findet man eine charakteristische Trockenrasen-Kalk-Flora. Besonders hervorzuheben sind dabei die Braunrote Sumpfwurz (Epipactis atrorubens), das Rundblättrige Wintergrün (Pyrola rotundifolia) und das Große Zweiblatt (Listera ovata). Außerordentlich ist das seltene Lebermoos (Preissia rotundifolia), welches man in Nordrhein-Westfalen sonst kaum noch findet.

 

In der Fauna ist vorrangig das Vorkommen der Geburtshelferkröte zu nennen, die in flachen Pfützen und Fahrspuren Laichplätze findet. Auch hier kommen - wie auf den Kohle-Bergehalden - die Blauflügelige Ödlandschrecke und der Gold-Laufkäfer vor.

 

Wegen der Vorkommen von Rote-Liste-Arten und der - bei nüchterner Betrachtung - geringen wirtschaftlichen Bedeutung der Halde kommt für diesen Sekundär-Biotop eigentlich nur der Naturschutz-Status in Frage.

 

 

 

Nach wie vor dringend notwendig: Eine Gesamtkonzeption

 

Es ist wohl deutlich geworden, dass zwar die meisten Halden (im Vergleich untereinander) übereinstimmende Ökofaktoren aufweisen und damit auch von gleichen Arten besiedelt sind; allerdings zeigen die Ausführungen zu den einzelnen Halden auch, dass jede eine individuelle Charakteristik besitzt. Diese Tatsache macht klar, dass man nicht die eine nutzen und als Ausgleich dafür die andere schützen kann; daraus folgt, dass alle geschützt werden müssen.

 

Im Grenzüberschreitenden ökologischen Basisplan (GÖB) von 1992 wurde bereits zu den Bergehalden darauf hingewiesen: “ökologisch bedeutend durch das Vorkommen seltener Biotoptypen (- Trockenrasen, - Halbtrockenrasen, - Magerrasen, - Stillgewässer), Artenvielfalt, das Vorkommen seltener Arten”; zum Schutzgrad heißt es: “nicht geschützt, müssen unter Schutz gestellt werden”!

 

Wenn sich auch nicht für alle Bergehalden ein kompletter Schutz erreichen lässt - z.B. dann, wenn bereits erfolgte Maßnahmen dies ausschließen wie beim Grube-Adolf-Park und dem Carl-Alexander-Park -, so ist doch zu fordern, dass es in einem solchen Fall zumindest Teilausweisungen gibt.

 

Der NABU Aachen-Land fordert daher, alle Bergehalden im jetzigen Istzustand zu erhalten - im Sinne einer Biotop-Vernetzung untereinander und zu andersartigen bestehenden Biotopen und Schutzgebieten wie etwa Wurm- und Broichbachtal. Hierfür müssten weitere Landschaftsteile eine naturnahe Gestaltung erhalten, wie dies zum Beispiel im Rahmen der EuRegionale 2008 möglich und vor allem finanzierbar war aber versäumt wurde.

 

 

 

Zusammenfassendes Statement

 

· Der NABU Aachen-Land bemängelt weiterhin, dass jede Kommune ihre eigenen Überlegungen zur “Folgenutzung” der Bergbaurelikte anstellt, und noch nicht einmal die “Chance” einer Euregionale 2008 genutzt hat, um ein gemeinsames Konzept zu entwickeln. Dies liegt aber offensichtlich daran, dass es bei den Überlegungen zu den Halden in erster Linie um ökonomische (d.h. kommunal egoistische) und zuletzt - wenn überhaupt - um ökologische geht.

 

· Der NABU Aachen-Land lässt einen - in diesem Zusammenhang häufig geäußerten - Vergleich zur Folgenutzung der Halden im “Ruhrpott” nicht gelten. Die beiden Räume sind von den Flächendimensionen und dem Ausmaß früherer Naturzerstörung überhaupt nicht vergleichbar.

 

· Der NABU Aachen-Land lehnt eine Nutzung der Bergehalden im Sinne von Tourismus, Freizeitanlagen, Bebauung usw. daher grundsätzlich ab. Die Halden sind in der naturarmen Börden- und Industrielandschaft des Großraumes Aachen zu wertvoll.

 

· Der NABU Aachen-Land ist der Auffassung, dass man nicht leichtfertig die einmalige Chance vertun sollte, die Bergehalden im Sinne zukünftiger Biotopvernetzungsmaßnahmen zu nutzen. Immerhin gibt es im Nordkreisgebiet eine gutes Dutzend Halden, wobei allein in Alsdorf deren Gesamtfläche 5 Prozent des Stadtgebietes ausmacht. Ihre Lage ermöglicht zudem unproblematisch den Anschluss an bestehende Schutzgebiete und (zumindest geplante) neue Grünzüge. Dies würde auch den Forderungen der Landesplanung entsprechen, wonach vorgesehen ist, letztlich über ein landesweites Vernetzungssystem sogar 10 Prozent der Landesfläche unter Naturschutz zu stellen.

 

· Der NABU Aachen-Land unterstützt Maßnahmen, die zur Sicherung der Halden und gegebenenfalls zur ökologischen Entwicklung - auch zum Wohle der in der Region lebenden Menschen - beitragen.

 

· Der NABU Aachen-Land weist ausdrücklich darauf hin, dass hier typische grenzübergreifende Naturschutzmaßnahmen im Sinne von (euregionaler) Vernetzung möglich sind (Niederlande, Kreis Heinsberg, Kreis Düren).

 

· Der NABU Aachen-Land erklärt sich damit einverstanden, dass das Betretungsverbot für wissenschaftliche Untersuchungen auf den dafür vorgesehenen Halden aufgehoben werden kann.

 

Stand: 28. Oktober 2019

 

 

 

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