Auszüge aus

Berichte der Gruppe Broichbachtal, Nr. 21:


Umweltschutz macht Schule

 

Inhalt:

 

  • Slogan
  • Wasser
  • Energie
  • Kunststoffe
  • Chemikalien
  • Papier
  • Naturnahes Schulgelände
  • Reaktionen auf die Erstveröffentlichung

 

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Slogan: Umweltschutz macht Schule

 

Macht Schule Umweltschutz?

Schule macht Umweltschutz!

Umweltschutz-Macht: Schule

Umweltschutz macht Schule...

 

Wie man es dreht und wendet:

eine Notwendigkeit ist es allemal!

 

(Übrigens: Umweltschutz schult Macht...

... wäre auch nicht schlecht!!!)

 

© Gruppe Broichbachtal 1989

 

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Apropos Ha-Zwo-O

 

Wasser kommt, wie jeder weiß, in drei Aggregatzuständen vor: fest, flüssig, überschüssig überflüssig.

Es geht in diesem Abschnitt um den Wasser-Verbrauch. Dieser ist in öffentlichen Gebäuden enorm. Vor allem an den Schulen.

Zu fordern ist die Umrüstung der herkömmlichen Installationen auf wassersparende Einrichtungen. Toilettenspülanlagen können ohne großen technischen Aufwand umgerüstet werden (Einbau von Spülwasser-Dosierern: Absenken der Spülmenge von 14 Liter auf 6 Liter, nach Bedarf nach unten weiter regelbar!). An den Waschbecken sind Durchflussbegrenzer einzubauen, welche einen Teil des Wassers durch Luft ersetzen: weniger Wasser verlässt den Hahn, der Strahl bleibt „füllig“. Die Duschen in den Sportanlagen sollten mit Sparduschköpfen ausgestattet werden.

Auch die Kostenersparnis sollte für den Schulträger ein Anreiz sein,

solche Maßnahmen zu treffen !

Wenn es an bestehenden Schulen oft auch nicht möglich ist, sollte zumindest bei Neuplanungen an die Trennung von Trink- und Brauchwasser gedacht werden. Das wenigste Wasser wird hier für die Speisen- und Getränke-Zubereitung gebraucht...

Wo größere Mengen zur Versorgung von Pflanzen benötigt werden (z.B. im Schulgarten), sollten Regenwasser-Sammelbecken oder –Behälter selbstverständlich sein. Auch Flachdachanlagen lassen sich nach außen entwässern.

 

Ein Hahn, der tropft, macht (Beispiel)...

5 Tropfen in 5 Sekunden...

17 Liter an 1 Tag...

1 Duschbad in 3 Tagen...

1 Wannenbad in 20 Tagen...

... und die Kosten?

 

© Gruppe Broichbachtal 1989/2001

 

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Problemkreis Energie

 

In der Schule sind es im wesentlichen drei Bereiche, in denen sich Energie einsparen lässt:

  1. Beleuchtung
  2. Einsatz von Projektionsgeräten
  3. Heizung

Zu 1: Bei der Neueinrichtung oder Modernisierung von Schulen sollten die richtigen Lampen installiert werden. Herkömmliche Glühlampen sind in der Anschaffung zwar preiswert, sie erweisen sich am Ende aber als teuerste Lösung. Leuchtstoffröhren besitzen eine höhere Lebensdauer und brauchen bei vergleichbarer Lichtausbeute weniger Strom. Dies gilt in noch höherem Maße für die sogenannten Sparlampen als Alternative zu Glühlampen. Hierbei leuchtet z.B. eine 18 W – Lampe genauso hell wie eine herkömmliche 75 – W – Birne, d.h. sie braucht nur etwa ein Viertel Energie und besitzt zudem eine sehr viel längere Einsatzdauer. Berücksichtigt man den höheren Energieverbrauch bei der Herstellung einer solchen Lampe, so bleibt trotzdem unterm Strich noch eine Gesamtenergie-Ersparnis von etwa 50 Prozent. Diese Lampen eignen sich überall dort, wo die Leuchtstoffröhren nicht notwendig sind, z.B. in Konferenzzimmer, Sekretariat, kleineren Arbeitszimmern, Bibliothek, Schüleraufenthalt- und Arbeitsräumen (Arbeitsplatzbeleuchtung), Sprechzimmern, Medien- und Kopierräumen, Vorbereitungsräumen und Umkleideräumen sowie Toiletten. Im übrigen liegt es an uns, mit Beleuchtung sparsam umzugehen. Klassenzimmer, in denen vorübergehend kein Unterricht stattfindet, müssen nicht beleuchtet sein, ebenso wenig die Flure während der Unterrichtszeit. Nimmt man für einen Klassenraum oder einen langen Flur 16 Leuchtstoffröhren zu 40 W an, so brauchen diese in einer Stunde 0,64 kWh. Nehmen wir ferner einen Tarif von 0,12 DM/kWh, so kostet dies 8 DPf. Dies scheint auf den ersten Blick wenig zu sein. Aber eine Schule hat viele Klassen und Flure. Ein Beispiel: Unsere Schule hat 9 Flure. Brennt während der Wintermonate, also an etwa 60 Tagen dort 2 Stunden lang Licht, werden dafür 810 kWh zum Preis von etwa 85 DM verbraucht!


Zu 2: Weitere Stromverbraucher in der Schule sind die Projektionsgeräte wie tageslicht-, Dia- und Film-Projektor sowie Episkop. Hinzu kommen Fernseh-, Video- und Kopier-Geräte. Die Projektionsgeräte haben durchweg eine Leistung von etwa 500 W, d.h. ein Tageslicht-Projektor kostet beispielsweise pro Stunde 6 DPf. Manchen Geräte besitzen bereits eine sogenannte Spartaste; diese sind bei der Anschaffung anderen vorzuziehen. Ferner muss ein Projektor nicht eine volle Unterrichtsstunde eingeschaltet sein, wenn er effektiv nur 10 Minuten benötigt wird (die Energieersparnis beträgt dann fast 80 %); aber Vorsicht: Häufiges Ein- und Ausschalten verkürzt die Lebensdauer der teueren Lampen. Am meisten lässt sich wohl die Tageslicht-Projektion vermeiden, wenn man die gute alte Tafel wiederentdeckt...


Zu 3: Schließlich lässt sich im Schulbereich häufig beim Heizen sparen. Die Modernisierung veralteter Anlagen kann den Verbrauch deutlich verringern, vor allem, wenn zusätzliche Isolierungsmaßnahmen getroffen werden. Der Einbau einer neuen Heizung, die Erneuerung der meisten Fenster und Außenwand-Isolierung senkten in den 80er Jahren an unserer Schule den Verbrauch von 300.000 m3 auf 250.000 m3, was 20 % Gasersparnis ausmacht. Weitere Maßnahmen sind Absenkung in unterrichtsfreien Zeiten, nicht zu hohe Raumtemperaturen und vor allem richtiges Lüften: kurz und gründlich, ansonsten bleiben die Fenster geschlossen, ebenso die Flur- und Außentüren.

 

© Gruppe Broichbachtal 1989/2001


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Problemkreis Kunststoffe (Gegensatz: Naturstoffe)


Bei Schulzubehör beherrschen Plastik- und Synthetik-Materialien den Markt. Die bunten Artikel verführen zum Kauf:

Plastik-Schultasche, -Mäppchen, -Füllhalter, -Kulis, -Faserstifte, -Tintenkiller, -Zeichengeräte, usw.

Was nicht zerbrechlich oder schnell beschädigt ist, wird mit der Zeit unansehnlich: Sonnenlicht lässt die Farben verblassen, das Material wird brüchig und beschmutzt dann stark. Weich-Synthetik ist besonders empfindlich gegenüber spitzen Ecken und scharfen Kanten.

Da Reparaturen kaum möglich sind bzw. sich aus Kostengründen nicht lohnen, landen diese Sachen viel eher auf dem Müll als solche aus Naturmaterial, ergänzt um die unzähligen Einweggeräte aus Kunststoff.

Auf der Deponie findet eine Umsetzung in Naturstoffe nicht statt, was den Müllberg nur anwachsen lässt. Bei Verbrennung entstehen hochgiftige Gase, u. a. Dioxine, Salzsäure und das krebserregende Styrol.


© Gruppe Broichbachtal 1989/2001

 

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Problemkreis Chemikalien

 

Äußerlich sieht man ihnen ihre gefährliche Ladung nicht an: Füllhalterpatronen, Markierungsstifte, Tintenkulis und Faserschreiber enthalten häufig gesundheitsschädliche Lösungs-, Feuchthalte- und Konservierungsmittel (z.B. das als Karzinogen verdächtigte, giftige Formaldehyd.) Die in Kugelschreiberminen verwendeten Pasten lassen sich nur in hochsiedenden organischen Lösungsmitteln (z.B. in Benzylalkohol) in Lösung halten. Die Farbstoffe Methylviolett und Kristallviolett (enthalten auch in Stempelfarbe, verwendet bei Vervielfältigungsgeräten) sind bei Farb-Filzstiften wegen der erbgutschädigenden Wirkung besonders problematisch!

Tintenkiller bleichen oder entfärben getrocknete Farbsubstanzen. Sie enthalten neben Seifen, Soda und Natriumdithionit vor allem Formaldehyd (s.o.!).

„Tipp-Ex“ enthält als Lösungsmittel 1,1,1-Trichlorethan, welches mit Erbschäden und Krebserkrankungen in Zusammenhang gebracht wird, oder andere chlorierte Kohlenwasserstoffe. (Tipp-Ex auf Wasserbasis hat sich auf dem Markt wegen seiner langen Abtrocknungszeit nicht durchgesetzt.)

Diese wenigen Beispiele verdeutlichen die gesundheitsgefährdende Wirkung einiger im Schulalltag verwendeter Substanzen. Darüber hinaus ist eine völlige Reste-Verwertung oft nicht möglich, da sich mit der Zeit Eintrocknen einstellt. Die gefährlichen Stoffe gelangen so auf den Müll, wo sie über erneute Lösungsabläufe und unkontrollierbare Reaktionsprozesse in die Natur gelangen und u.a. das Grundwasser belasten können.

In der Schule fällt auch Problem-Müll an, u. a. : Klebstoff-Reste aus dem Kunst- oder Werk-Unterricht, Lösungsmittel-Reste aus Kopiergeräten und Umdruckern, Altmedikamente aus den Erste-Hilfe-Schränken, defekte Leuchtstoffröhren, Halogen-Lampen und Altbatterien. Diese sind getrennt zu entsorgen !


... und: ’mal nachfragen, ob und wie in der Fachabteilung Chemie entsorgt wird !!!

 

© Gruppe Broichbachtal 1989/2001

 

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S t o p p t d i e P a p i e r f l u t !

 

Wie ?

So !

 

… am Kopierer

 

Sind die Kopien überhaupt nötig ?

Oder geht: Tafelanschrieb, Tafelskizze, Diktieren ?

Muss es DIN-A-4 Format sein ?

Oder reicht DIN-A-5 ?

Ist Verkleinerung möglich ?

Passt mehr auf ein Blatt?

Kann beidseitig kopiert werden ?

Das bedeutet Halbierung des Papierverbrauches !

Wird Recycling-Papier verwendet, oder geht das nicht ?

Bei der Neuanschaffung eines Gerätes daran denken !

Kommen Fehlkopien zum Altpapier ?

Recycling schont Wälder und Wasser-/Energie-Reserven !

Fotokopien in Klassen-/Kursstärke – nur leihweise ?

Mehrfachverwendung !


Tipp: Liste mit Klassen- und Kursstärken am Kopierer aufhängen, um Kopieren in „Anzahl auf Verdacht“ zu vermeiden !

 

... in Informatik

 

Muss unbedingt ausgedruckt werden ?

Wenn ja, wird Recycling-Papier verwendet ?

 

 

... bei Mitteilungen an Schüler und Lehrer

 

Stecktafeln ersetzen „tausend Aushänge“ !

(mühsam, aber umweltfreundlich !)

 


... im Sekretariat

 

Verwendung von Recycling-Papier für Korrespondenz, Tagebuchführung, Aktennotizen, Karteien, Monita und... und... und... Durchschlagpapier möglichst oft verwenden – Kopien vermeiden


Apropos „Giftblätter“

 

Wieso sollte man Zeugnisnoten nicht auf schlichtem Grau dokumentieren ? (Beglaubigte Kopie wird wieder durch beglaubigte Abschrift ersetzt !)

 

Klassenarbeitshefte abschaffen (???)

 

Unbeschriebene Seiten von KL-Heften dienen bestenfalls als Konzeptpapier,- w e n n sie herausgelöst werden.

Daher: Für a l l e Stufen Aktenbögen pro Arbeit einführen, die später in Schnellheftern (Recycling-Produkt) gesammelt werden.

Der Lehrer dankt es: Er schreit nicht mehr verzweifelt nach Plastik!tüten, um überschüssiges (weil unbeschriebenes) Papier nach Hause zu transportieren...

 

© Gruppe Broichbachtal 1989/2001

 

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Naturnahe Gestaltung des Schulgeländes

 

Zu wenig Platz für die Natur ?

Dann fangen wir am besten mit Flächenentsiegelung an !

Schulhöfe z.B. müssen nicht zubetoniert, asphaltiert, geteert, geplattet oder verbundgepflastert sein. So sind sie außerdem gegen aktive Pausengestaltung gerichtet. Es ist nicht Aufgabe dieser Broschüre, Lösungswege aufzuzeigen. Die Planung von schülergerechten Aufenthaltsbereichen ist im übrigen vor allem Sache der Betroffenen. Diese sollten mit ihrer oft unerschöpflichen Kreativität einbezogen werden.

Ein Großteil der entsiegelten Bereiche sollte auch der Natur gehören, versteht sich! Wo auf befestigte Flächen nicht verzichtet werden kann (Parkplätze, Zuwege, etc.) sollte wenigstens mit Rasengittersteinen gearbeitet werden.


Die oft unansehnlichen Fassaden der Schulgebäude können ebenso begrünt werden wie Flachdächer. Größere Freiflächen sind für die Anlage von Schulgarten oder gar Biotopen geeignet. Schulgarten muss dabei nicht immer Nutzgarten (mit Obst, Gemüse, Salat und Kräutern) bedeuten. Auch naturnahe Eingrünung kann, wie an unserer Schule, damit gemeint sein (Ökologische Verbesserungen auf dem Schulgelände). Im übrigen steht auch die aktive Freizeitgestaltung im Vordergrund...


Die Natur muss nicht draußen bleiben:

Atrium- und Pausenhallengestaltung „pro Natur“ ist ebenso denkbar wie das „grüne Klassen- oder Lehrerzimmer“ !


Übrigens:

Exoten (an deutschen Schulen in der Vergangenheit im Übermaß gepflanzt) sind meist als erste von Umweltschäden betroffen und können nur durch viel Chemie künstlich am Leben gehalten werden. Nicht weiter hochpäppeln! Durch einheimische Pflanzen ersetzen !

 

Bei der Neuplanung von Schulzentren „auf der grünen Wiese“ sollte die ökologisch ausgerichtete Einbindung in das Landschaftsgefüge ebenso vorrangiges Planziel sein wie die Bereitstellung großzügiger unbebauter Freiflächen.


© Gruppe Broichbachtal 1989/2001

 

Redaktionsteam:

Holger Benend, Oliver Dreßen, Sven Heinrichs, Annette Hofmann, Natascha Krolczik, Nicole Plum, Norbert Schwankhaus und Wolfgang Voigt

 

Alsdorf 1989

Internetversion: 2001 / 2015

 

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Reaktionen auf die Erstveröffentlichung

 

 

 

Regierungspräsident Köln

 

Sehr geehrter Herr Voigt!

 

Die vom Redaktionsteam der Gruppe „Broichbachtal“ erarbeitete Broschüre „Umweltschutz macht Schule“ hat in meinem Hause verbreitetes Interesse gefunden. Der Leiter der Behörde und der Leiter der Schulabteilung haben mich gebeten, dieser Gruppe für das vorliegende Ergebnis intensiven Bemühens um ein in unserer Zeit so wichtiges Thema Anerkennung und Dank auszusprechen. Ich kann dieser Broschüre nur wünschen, dass sie in der Schule von vielen gelesen und beherzigt wird. Wenn Sie eine Möglichkeit sehen, die Gruppe in ihrem Anliegen zu unterstützen, lassen Sie es mich bitte wissen.

 

Für die Schülerinnen und Schüler, die an der o.a. Schrift mitgearbeitet haben, möchte ich eine entsprechende, erfolgsausweisende Bemerkung auf deren Zeugnissen (ggf. auch nachträglich) anregen.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Im Auftrag

 

gez. Reichard

 

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Umweltbundesamt Berlin

 

 

Vielen Dank für die wirklich gelungene Broschüre.

 

Wir möchten uns für das darin steckende Engagement bedanken und hoffen, dass diese Umweltschutz-Informationen weit verbreitet werden. Anbei eine kleine Aufmerksamkeit

 

Mit freundlichen Grüßen

 

gez. Inga Quandt