Abfallvermarktung ("Chicken Wings")

Gedanken von Wolfgang Voigt

 

Auf unserer Erde werden nach einer Statistik aus dem Jahre 1997 täglich 70 Millionen Hühner geschlachtet. Dabei übertreffen sie die Rinder (654.000), die Schweine (2,8 Millionen) und Schafe (1,2 Millionen) bei weitem. Getoppt werden sie nur durch ihre eigenen Produkte: zwei Milliarden Eier, die ein Omelett von der Größe Zyperns ergeben würden. (Täglich!!!)

 

Zurück zum Schlacht-Geflügel. 70 Millionen Hühner bedeuten 140 Millionen Flügel pro Tag, deutlich über 50 Milliarden jährlich. Was für ein Abfallberg und was für ein Entsorgungsproblem!!! Wohlgemerkt: Allein durch die Flügel!

 

Denkste! Man muss sich nur etwas einfallen lassen, vor allem, wenn man zu den Großabnehmern weltweit gehört. Gemeint sind die Fast-Food-Konzerne, nicht die kleinen Endverbraucher, die vielleicht mal hundert gegrillte Hähnchen am Tag umsetzen. (Übrigens bei Kunden, die seltsamerweise die Flügel meist unberührt zurück gehen lassen.)

 

Wohin also mit diesen Unmengen von Flügel-Abfall. Ab in die Werbung! Zunächst muss ein schicker Name her. „Chicken Wings“ klingt doch nicht schlecht. Obwohl: Bei „Küken“ ist ja nun rein gar nichts schon dran... Was soll’s: die meisten wissen ja eh’ nicht, was das heißt... Lagerfeuer-Romantik (irgendeinen noch nicht vermarkteten Country-Oldie wird’s schon noch geben) oder einen poppigen Comedy-Spot und schon wissen die Kinobesucher und Fernsehzuschauer, dass es für sie nur noch ein Grundnahrungsmittel neben Pommes rot-weiß gibt: die leckeren Chicken Wings.

 

Und was ist dran - außer knuspriger, meint: verbrannter Haut mit Knochen? Natürlich der Geschmack: Zum ersten die geschmacksknospentötenden scharfen Gewürze, zum anderen die (wozu dann eigentlich noch?) leckeren Dipp-Soßen. Reicht es da nicht, für diese einfach die eigenen Knochen – pardon: Finger zu nehmen. Finger-Food sozusagen?!

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Alsdorf, im Mai 2003