Katastrophale Trockenheit ein Agrardesaster?

Gedanken hierzu von Wolfgang Voigt

Nun beobachten wir ja seit Jahren, dass sich das Wettergeschehen in Europa durchgreifend ändert. Aber von einer Klimaumstellung seien wir noch weit entfernt, hieß es bislang aus „Fachkreisen“. Schließlich habe es solche Klimakapriolen immer wieder einmal gegeben. Angesichts der dramatischen Extreme zwischen Hochwasser und Dürreperioden lässt sich die Wahrheit aber wohl nicht mehr länger vertuschen. Selbst zurückhaltende, weil von Hause aus offenbar mehr oder weniger zur Verschwiegenheit verpflichtete Meteorologen nehmen die Bezeichnung „globale Erwärmung“ immer häufiger in den Mund. Niemand sagt das aber dieser Tage so klar wie die Fachleute vom Kieler Institut für Meereskunde. Da fallen deutliche Sätze wie „Das Klima wird sich auch weiterhin in extreme Richtungen entwickeln.“ und „Selbst mittlerweile getroffene Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen beeinflussen die klimatische Entwicklung in den nächsten fünf Jahrzehnten sicher nicht mehr.“ Warum? Weil nach ihrer Auffassung das Klima einen „sehr langen Bremsweg“ hat. Aktuell leidet ganz Europa nicht nur unter der Hitze, sondern vor allem auch unter der damit verbundenen extremen Trockenheit. Der bis in große Tiefen ausgetrocknete Boden nimmt auch die heftigen gewittrigen Niederschläge nicht mehr auf. Natürlich ist hiervon vor allem die Landwirtschaft betroffen. Dass aber die Interessensverbände nach staatlichen Hilfsmaßnahmen schreien und seitens der Politik auch prompt und vorschnell finanzielle Hilfe zugesagt wird, darüber sollte erst einmal - auch im Sinne des Steuerzahlers - nachgedacht werden.
Ein paar Fragen eines „Laien“:
Wie ist das zum Beispiel mit den Wachstumshemmern, die das Getreide niedriger wachsen lassen, die Wachstumsperiode verkürzen, dichteren Anbau mit höherem Ertrag möglich machen sollen und die Ernte erleichtern? Ist das betroffene Getreide von vorübergehenden Dürrezeiten nicht stärker betroffen als das herkömmliche mit normalem Jahresrhythmus? Hat höher wachsendes Getreide nicht einen größeren Beschattungseffekt? Nutzt ein ausgedehnteres Wurzelsystem nicht Regengüsse besser? Ist konkurrenzstarkes, großwüchsiges Getreide gegenüber „Unkräutern“ nicht auch ohne die massive Anwendung von Bekämpfungsmitteln widerstandsfähiger, und sind es nicht gerade diese, welche den Boden zwischen den Getreidepflanzen bedecken und somit feucht halten? Immer wieder wird die Konkurrenz solcher Pflanzen um Wasser und Nährstoffe negativ herausgestellt, aber ist der Schaden tatsächlich höher als der Nutzeffekt? Hat man den Zusammenhang aus dieser Sicht heraus auch gründlich genug wissenschaftlich untersucht?
Feststellung eines Steuerzahlers: Zur Beantwortung solcher Fragen wären Bundesmittel als Finanzspritzen für Forschungsprojekte sicher mindestens genauso gut eingesetzt wie zur Stillstellung jammernder Landwirte, die vielleicht ja zu Recht ihre Stimme erheben. Denn sie sind schließlich auch Opfer einer seit geraumer Zeit fehlgeleiteten Agrarpolitik, - europaweit.


Alsdorf, im Juli 2003

(aus aktuellem Anlass erneut zur Diskussion gestellt im Juli 2015)